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Moser, Tilmann: Verbal – Präverbal – Averbal. Psychotherapie an der Sprachgrenze, Brandes & Apsel 2018


Moser, der Pionier der analytischen Körperpsychotherapie, zeigt im vorliegenden Band wieder einmal, wie hilfreich und vertiefend die Nutzung gut vorbereiteter leibbezogener Interventionen in der analytischen Psychotherapie sind. Ein kleiner theoretischer Überblick erscheint zunächst befremdlich, da Moser überwiegend zitiert, fast keinen Fließtext beisteuert. Befremdlich, ist mensch von ihm doch sprachlich gekonnte, gut lesbare Texte gewohnt. Die Intention erschließt sich aus dem Schlusswort, in dem er Bezug nimmt auf die Anfeindungen aus dem Kreis der etablierten Psychoanalyse, denen er immer wieder ausgesetzt war – und noch ist: Inzwischen gibt es viele Mitstreiter*innen!

Im Abschnitt „Für eine Ethik der Berührung in der Psychotherapie“ wendet er die Kritik zwischen den Zeilen gegen seine Kritiker. In Misskredit bringen mit dem Leib arbeitende Psychotherapeut*innen eher Dilettant*innen, wenn klassisch ausgebildete Analytiker*innen diese Zugangsweise zum verletzten Menschen, mal ausprobieren, ohne über eine ausreichende Selbsterfahrung zu verfügen, somit die hilfreichen aber hochwirksamen „Techniken“ der Berührung unterschätzend. Wie im Falle der Analyse von Margarete Akoluth geschehen, über die sie berichtet und aus deren Text Moser zitiert. Es sei erwähnt, dass es auch Analytiker*innen sind, die Patient*innen und Ausbildungskandidat*innen sexuell bedrängen oder ausnutzen, die doch in der Berührung abstinent sind und Angst vor Sexualisierung haben (zuletzt wurde ein ehemaliger Institutsleiter enttarnt – und noch heute von einem renommierten Prof. gedeckt – damit „die Sache“ keinen Schaden nimmt, siehe DIE ZEIT 9.8.2018). Nach Moser fordert die Abstinenz ders berührenden Analytiker*in die Prüfung, ob eine solche der Ich-Stärkung und Strukturbildung förderlich ist. Ferner, ob diese Interaktion der Progression dienlich ist oder Suchtcharakter annimmt. Überhaupt werden Berührungen eher „angemessen“ sparsam eingesetzt – in vielen Stunden wird „nur“ geredet und auch die deutende Interpretation kommt nicht zu kurz. „Abstinenz bedeutet damit, jenen Zwischenraum zum Bedenken der Spannung zu gewährleisten zwischen neuer Initiative und neuen Anreizen und der Angst vor Neuem, dem Stand der Übertragung, der Neugier auf den nächsten Schritt und der Verarbeitungskapazität des Ichs“ (S. 46).

Schließlich wird der Leser durch einfühlsame und schon literarisch zu nennende Fallvignetten ‚entschädigt‘. Dabei zeigt sich wieder der Mut von Moser, wenn er nicht nur gelungene Behandlungsverläufe mitteilt. Für den Unkundigen fehlt zur weiteren Lektüre ein Literaturverzeichnis.

Bernd Kuck      
Dezember 2019

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Verbal – Präverbal – Averbal

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