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Chu, Victor: Briefe an einen jungen Therapeuten. Einblicke in das Herz der Psychotherapie. Schattauer Verlag Stuttgart 2021


Rilke verfasste Briefe an einen jungen Dichter. Daher hatte Chu die Idee, vergleichbares für junge Psychotherapeuten zu verfassen. Heraus gekommen ist ein Text, der jungen Therapeuten Mut macht, sich dem unmöglichen Beruf (Freud) anzunähern und sich von Perfektionsansprüchen zu verabschieden, beziehungsweise sich gar nicht erst davon drangsalieren zu lassen. Vielmehr geht es Chu um eine persönliche Haltung in der therapeutischen Beziehung, die schulenunabhängig ist, ist doch die Person das zentrale Medikament. Persönliche Erfahrungen und Reifung des Therapeuten sind daher mindestens so wichtig wie ein breites theoretisches Wissen. Vor allem sind Leitlinien in der Psychotherapie kein geeignetes Mittel, um psychotherapeutisch wirksam zu sein, frönen eher einem technizistischen Verständnis. Chu war von der Kargheit der analytischen Ausbildung wenig angetan und fand über eine gestalttherapeutische Weiterbildung zu seinem persönlichen Stil. Diese Elemente verlebendigen den therapeutischen Prozess, ohne deshalb die Grundlagen der Psychoanalyse aufzugeben. Erquickend am vorliegenden Text ist die Darstellung aller Freuden und Nöte, die nicht nur den jungen Therapeuten erwarten. Da Psychotherapie keine somatische Behandlung darstellt, ist hier die Wahl der Akteure von Bedeutung. Mensch sollte nicht mit einem Patienten arbeiten, den mensch nicht mag, denn es ist die Lebenszeit beider und die sollte nicht mit einem „Quälwerk“ (Heisterkamp) vertan werden. Die Leser erfahren etwas über sterile (Klinik) und ansprechende Räumlichkeiten, die den Behandlungserfolg behindern oder begünstigen. Psychotherapie ist keine Naturwissenschaft, weshalb sich Manuale eigentlich verbieten. Symptome sind nicht isoliert zu betrachten, sondern sind eingebettet in die Persönlichkeit und bedürfen individuelle Zugänge und Behandlung. Chu reflektiert nicht nur über Geld, Sexualität und den Unterschied zwischen Prostitution und Psychotherapie, sondern bezieht auch den Leib mit ein, sowie die Selbstfürsorge und die Notwendigkeit, in einem persönlichen Leben zu reifen und sich zu entfalten. Wer in den Beruf einsteigt oder sich noch in Ausbildung befindet, dem ist das Buch wärmstens zu empfehlen.

Bernd Kuck      
Oktober 2021

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Briefe an einen jungen Therapeuten

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