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Wirtz, Ursula: Trauma and Beyond: The Mystery of Transformation. 354 S., New Orleans, LA, USA 2014 (Spring Journal).


»This book is about the search for soul after soul murder« (Wirtz, 2014, S. 7).

 

Trauma und transzendente Erfahrung – ein entstehender Paradigmawechsel

Ein außergewöhnliches Buch über ein hochaktuelles Thema: Trauma and Beyond. Das »Beyond« des Titels heißt sowohl jenseits, als auch danach, darüberhinaus. Zu Deutsch könnte das Buch heißen: Trauma und Transzendenz: Das Mysterium der Verwandlung. Ob Extremtraumata (Krieg, Holocaust, sexuelle, körperliche, seelische Gewalt, Naturkatastrophen) oder »alltägliche«, kumulative Traumata (dysfunktionales Familienleben, geschlechtsspezifische oder ethnische Verachtung und Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit), akutes Trauma bewirkt stets eine Sinnkrise. Es zerreißt die Kohärenz und Kontinuität der Ichidentität und verursacht eine massive Diskrepanz (Dissoziation) zwischen Selbstgefühl und aktueller Realität. Wenn das Kohärenzgefühl verloren geht, die Verbindung zu anderen Menschen zerstört wird, die persönliche Identität zerfällt, sind gesellschaftliche Isolation und Marginalisierung oft die Folgen, begleitet von schweren körperlichen und seelischen Symptomen. Drei konkrete Beispiele:

1. Beispiel: Psychosoziale Kindheitserfahrungen
Eine großangelegte Studie des französischen Nationalen Instituts für Gesundheit und Medizinische Forschung Inserm bestätigt, dass besonders belastende Erlebnisse in der Kindheit erhebliche lebenslange Folgen für die Gesundheit und Lebensumstände haben können. Kinder, die im Alter von sieben bis sechszehn Jahren mehr als zwei belastende Ereignisse im familiären Umfeld erlebten – Vernachlässigung, ein Elternteil Alkoholiker, seelisch erkrankt oder inhaftiert, Trennungs- und Scheidungskinder, Armut – zeigten im Alter von 23, 33 und 44 Jahren hohe Belastung (59% der Männer, 76% der Frauen) durch ungesundes Verhalten, Rauchen, Übergewicht, geringen Bildungsgrad, niedrigen materiellen Status und Einkommen. Da viele biologische Regelkreise und Prozesse in der Kindheit geprägt werden, haben schwere negative psychosoziale Kindheitserfahrungen Auswirkungen auf das ganze weitere Leben (vgl. Reutlinger Generalanzeiger, 03.02.2015, S. 7). Sogenannte »alltägliche« Traumata sind oft ähnlich akut schädlich wie extremere Formen von Gewalttraumata.

2. Beispiel: Armut
Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass Armut Kinder schon im Vorschulalter zurückwirft: Mehr als 40% armutsgefährdeter Kinder sprechen nur mangelhaft Deutsch gegenüber nur 14% in finanziell besser gestellten Familien. Ähnlich sieht es bei Problemen mit Körperkoordination aus (24,5 zu 14,6%), Umgang mit Zahlen (28 zu 12,4%) oder Übergewicht (8,8 zu 3,7%) (vgl. FAZ.net, 13.03.2015).

3. Beispiel: Altersheim
Vergleichbar akut können auch im Alter längst eingekapselte, verdrängte, abgespaltene Traumata wieder auftauchen. In einem Fernseh-Interview wies neulich Hartmut Radebold auf Folgendes hin:

»Der Zweite Weltkrieg findet jetzt im Altenheim statt, denn die Generation der in den 1930iger- und 1940iger-Jahren Geborenen wird jetzt pflegebedürftig. Diese Menschen sind nun zwischen 70 und 90 Jahre alt und haben, als sie physisch und seelisch noch kräftiger waren, ihre schlimmen Erlebnisse der frühen Jahre erfolgreich verdrängen und unterdrücken können. Mit abnehmender Kraft im Alter gelingt dies nun immer weniger, und so kommen lang verdrängte traumatische Erlebnisse ins Bewusstsein und werden flashbackartig nochmals und nochmals erlebt. Darauf ist das Pflegepersonal in Alten- und Pflegeheimen weder eingestellt noch dafür ausgebildet. Die Fachkräfte wissen gar nicht wie damit umgehen, und so findet der Krieg für diese Menschen nochmals statt, diesmal in den Alten- und Pflegeheimen. Diese armen Menschen …« (infonewsletter@auditorium-netzwerk.de, 13.03.2015).

Was kommt nach dem Trauma? Gibt es ein Jenseits über das Trauma hinaus, Möglichkeiten, die Folgen eines Traumas zu überwinden oder gar die traumatische Erfahrung zu integrieren und daran zu wachsen? Ein Trauma transzendieren heißt für Wirtz, es zu übersteigen, zu »überwachsen«, wie Jung formulieren würde, und dem Wirken der transzendenten Funktion (Jung, 1958[1916]) Raum zu geben. Sie ist die tief in unserem Inneren wirksame Fähigkeit, gegebene Zustände und seelische Verfassungen zu transzendieren und wirkt oft als eine Brücke zwischen zwei Zuständen, dem des »Jetzt« und dem des »noch nicht«, hat also ein telos, eine zukunftsweisende Funktion.

Viele Ansätze zur Traumatherapie werden derzeit propagiert und zum Teil heiß diskutiert. Über die Hälfte des Buches widmet sich »der klinischen Linse« (Wirtz, 2014, S. 141–335), doch haben wir es hier nicht mit einem klinischen Lehrbuch zu tun. Vielmehr vollzieht Wirtz einen bedeutenden Perspektivenwechsel, weg vom pathologisierenden medizinisch-psychiatrischen Modell hin zu einer kulturellen, sozial-politischen und vor allem spirituellen Sichtweise. Mit berührenden Fallberichten erweitert sie das Bedeutungsfeld von »Trauma« und erschließt dessen Potenzial für »transzendente Erfahrung« – Sinnstiftung und Selbstfindung. Über das Pathologische hinaus, mehr noch: durch das Katastrophische hindurch wird die Verarbeitung des Traumatischen unter der Perspektive einer spirituellen Sinndimension gesehen. »Letztlich geht es ja um individuelle und kollektive Bewusstseinserweiterung als einer evolutionären Notwendigkeit« (Wirtz, Pers. Mitteilung, 30.12.2014). Im Abschlusskapitel schreibt sie: »Dieses Buch wurde im weitest möglichen Sinne von einem spirituellen Bezugssystem aus geschrieben. Ich habe versucht, einen entstehenden Paradigmenwechsel in der Traumatherapie herauszuarbeiten, einen, der auf das Potenzial für psycho-spirituelles Wachstum in der Folge von Traumata fokussiert« (Wirtz, 2014, S. 338). Der Geist dessen, was mit Spiritualität gemeint ist, scheint durch das ganze Buch hindurch.

Für die Herkulesarbeit der Sinnfindung im traumatherapeutischen Prozess ist die Autorin bestens qualifiziert: Ursula Wirtz hat einen philosophischen, germanistischen und klinisch-psychologischen Hintergrund. Als Jung’sche Analytikerin mit Weiterbildungen in traumatherapeutischen Verfahren und zenistischer Übungspraxis , geboren inmitten der Kriegsverwüstungen des deutschen Ruhrgebietes – ihre »Spielplätze waren die damaligen Trümmerfelder« (ebd., S. 2) – wurden Krieg, Frieden und Versöhnung zu Leitthemen ihres Lebens und ihrer Arbeit mit den Opfern von Krieg, Unrecht und sexueller Gewalt. Als Supervisorin und in ihrer Privatpraxis beschäftigt sie sich seit 30 Jahren mit der Behandlung von Traumata. Ihr erstes Buch, Seelenmord: Inzest und Therapie, erschien 1989 zu einer Zeit, als sexueller Missbrauch erstmalig im öffentlichen Diskurs Fuß fasste. Das Buch ist heute noch ein Klassiker zum Thema. Ihr neuestes Buch, Trauma and Beyond, 25 Jahre später, verspricht ebenfalls eine klassische Studie über die Resilienz der Seele angesichts der verheerendsten Traumata zu werden:

»die Ernte von 30 Jahren als Psychoanalytikerin, in welcher Zeit ich mit gequälten Seelen, weder lebendig noch tot, und mit verbannten Körpern, Schattenerscheinungen, durch die Wüsten und Niederungen der Vergessenheit gewandert bin […], eine veritable ›Höllenfahrt‹ in der Begegnung mit geistigen Zuständen, die an Wahnsinn grenzten« (ebd., S. 4).

Einen roten Faden auf der Suche nach transzendierendem Sinn jenseits von Trauma findet die Autorin in C.G. Jungs Das Rote Buch: Liber Novus (Erstveröffentlichung 2009), in dem Jung seinen Abstieg ins Unbewusste in den Jahren 1913–1928 beschreibt. Sie findet darin eine Blaupause für den Umgang mit Trauma als Potenzial für transzendente Erfahrung – das Beyond ihres Trauma and Beyond – mit Sterben im und Werden jenseits von Trauma. Das Mystery of Transformation ist, in einer mir (R.W.) liebgewordenen Formulierung, der Werdegang vom Überleben zum Leben mittels einer Sterbeerfahrung, die stets als traumatisch erlebt wird.

In ihrer Umkreisung des Themas Trauma und Transformation verarbeitet Wirtz eine erstaunliche Menge an literarischer, philosophischer und trauma-psychologischer Literatur. Mit Sicherheit wird ihr Buch ein zukunftsträchtiger Beitrag zur Traumaforschung und Traumatherapie werden, der weit über die Jungianische Perspektive hinausgeht, von der sie ausgeht und der sie sich durchgehend verpflichtet weiß. Wir beobachten hier das Hervortreten eines klassischen Paradigmenwechsels im psychotherapeutischen Denken und Handeln: weg vom herkömmlichen Triebkonfliktmodell der Psychoneurosen hin zu einer trauma-bedingten Sicht auf seelisches Leiden. Es ist, wie Wirtz so einleuchtend demonstriert, ein Paradigma, in dem Wissenschaft und Spiritualität in der Förderung von psychotherapeutischem Verstehen und Behandeln von traumabedingten Zuständen zusammenfließen, jenseits von Störung und Syndrom, in der Formation von gänzlich neuen Ich-Zuständen (ego states). Dies ist wahrlich ein Mysterium der Transformation.

Nicht nur interessierte Jung’sche Leser finden hier einen exemplarischen Zugang zum Thema anhand der traumatischen Erfahrungen von C.G. Jung selbst, die er im Roten Buch: Liber Novus für sich selbst verarbeitet hat. Ihr Nachzeichnen der »vier traumatischen Quellen von Jungs mentalem Zusammenbruch (Wirtz, 2014, S. 242–250) sind für die Geschichte der Analytischen Psychologie sowie insgesamt für die Geschichte psychoanalytischer Psychotherapie von besonderer Bedeutung. Ausgelöst durch die Trennung von Sigmund Freud erlebte Jung in den Jahren 1913–16 eine schwere existenzielle Sinnkrise, die durch die Wiederbelebung frühkindlicher Verlassenheitstraumata laut Jungs eigener Aussage an Psychose grenzte: (1) seine Geburt als viertes (»Ersatz«-)Kind, nachdem seine Mutter drei Totgeburten (zwei Töchter und einen Sohn) erlitten hatte; (2) das Verlassenwerden des dreijährigen Kindes, als seine Mutter wegen Depressionen mehrere Monate hospitalisiert wurde ; (3) sein sexueller Missbrauch als [14-jähriger?] Knabe ; schließlich (4) zwei traumatische Visionen Jungs im Oktober 1913, in denen er erlebte, wie Europa von der Nordsee bis zu den Alpen von Blut überflutet wurde.

Insbesondere »Jungs Erfahrung von homosexuellem Missbrauch«, schlussfolgert Wirtz, »hatte weitreichende Folgen für seine psychosexuelle Entwicklung und für die Theorienbildung der Analytischen Psychologie« (ebd., S. 245). Für Jung selbst bedingte die traumatische Erfahrung des Missbrauchs ein tiefes Misstrauen gegen Intimität, insbesondere mit Männern. Eine ebenso tiefe Ambivalenz in seinen Frauenbeziehungen (ebd., S. 248) hängt wiederum auch mit Jungs frühem Erleben einer »wachen Mutter, deren Spott er fürchtete« (Bair, 2007, S. 105) , zusammen. Durch diese Erfahrungen geprägt, griff Jung »zu einem massiven Versuch der Verdrängung« (Wirtz, 2014, S. 246) und in deren Folge zu einem »Prozess der Spiritualisierung und Mythologisierung des Sexuallebens und seiner Bedeutung für psychische Entwicklung und Verhalten« (ebd., S. 247). Jungs »Hauptanliegen« bezüglich Sexualität – so steht es in Erinnerungen, Träume, Gedanken (ETG) – war es, einerseits, »über ihre persönliche Bedeutung und die einer biologischen Funktion hinaus ihre geistige Seite und ihren numinosen Sinn zu erforschen und zu erklären« (ebd., S. 172). Dies veranlasste ihn, so Wirtz, »die archetypischen, symbolischen und spirituellen Grundlagen von traumatischen Phänomenen zu untersuchen, während er die realen traumatischen Geschehnisse oder die dissoziativen und oft selbst-destruktiven Abwehrmechanismen, die sie auslösen, nicht berücksichtigte« (Wirtz, 2014, S. 247). Schärfer noch angesichts der realen Folgen von Jungs komplexbedingtem Nicht-Beachten sexuellen Missbrauchs in der Kindheit, schreibt Wirtz polemisch: »Er opferte real missbrauchte Kinder und ihre Traumata, indem er seinen Verdrängungstendenzen und seinen eigenen Abwehrmechanismen nachgab […]« (ebd., S. 248). Für die »Konzeption« der Analytische Psychologie ist es um so mehr von Bedeutung, dass sie sich dieser von Jung vorgelebten »Strategie« entgegenstellt und weder die zutiefst traumatische persönliche, soziale, politische und spirituelle Realität von Traumatisierten noch die ebenso reale Konkretheit der menschlichen Sexualität aus dem Auge verliert. Mit ihrem Verweis auf die Hintergründe eines gewissen mentalen Vorbehalts in der Analytischen Psychologie gegenüber konkret gelebter Erotik und Sexualität leistet Wirtz aus tiefenpsychologischer und traumatologischer Sicht einen heilsamen Dienst für alle psychotherapeutischen Schulen.

Im letzten Kapitel, »Trauma and the Body« widmet Wirtz sich der zentralen Bedeutung des Körpers in der Traumatherapie. »Da der Körper das Portal zur Quelle und dem existenziellen Grund des Selbst ist, kann Trauma nicht transzendiert werden, ohne dass der Körper und die Verbindung zum Instinktleben geheilt wird. […] Die wesentliche Arbeit der Therapie beginnt mit dem Körper« (ebd., S. 319). Ohne näher darauf einzugehen, würdigt sie körperpsychotherapeutische Trauma-Arbeit, die neuen Erkenntnisse der Neurowissenschaften und einiger Jung’schen Autoren. Und wieder fordert sie die Analytische Psychologie heraus: »Es gab und gibt weiterhin in der Jungianischen Welt eine gewisse ›theoretische Ambivalenz gegenüber dem Körper‹ und insgesamt ein generelles Versäumnis, ihn in die klinische Praxis zu integrieren« (ebd., S. 329) – eine Mahnung, die ganz generell für psychoanalytische Psychotherapien gelten dürfte.

Zum Schluss möchte ich ergänzend auf eine weitere Studie zum Thema Trauma verweisen (Cvetkowich, 2003), die, wie Wirtz, einen Perspektivenwechsel weg vom pathologisierenden medizinisch-psychiatrischen Modell hin zu einer kulturellen und sozial-politischen Sicht darstellt. Im Unterschied zu Wirtz, die sich vorwiegend auf Extremtrauma bezieht, fokussiert Cvetkovich »nicht nur auf katastrophale Ereignisse […] sondern auf alltägliche Erfahrungen« (ebd., S. 19), »Trauma als alltäglich und fortwährend« (ebd., S. 33). Kurzgefasst, es geht ihr um die kumulativen Traumatisierungen des Alltags durch Missachtung, Verachtung und Feindseligkeiten gegenüber Frauen und Kindern, Fremden, ethnischen und geschlechtlichen Minderheiten (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Transsexualität). Hinzuzufügen wären kumulative Traumatisierungen durch dysfunktionale Paar- und Familienstrukturen, wo emotionale Vernachlässigung oder Überbehütung bis hin zum emotionalen Missbrauch traumatisierende Dauerstressoren sein können. Cvetkowichs umfassenderer kultureller und sozial-politischer Ansatz hat mir sehr geholfen, die bahnbrechende Arbeit von Ursula Wirtz besser zu verstehen, nicht als eine Alternative zum medizinischen Modell, sondern über das Pathologische hinaus ins Transzendente-Spirituelle als eine heuristische Erweiterung des gesamten Bedeutungsfeldes »Trauma«. Über die ungewohnte Vorstellung von Trauma als potenziell formativer spiritueller Erfahrung schreibt Wirtz (2014, S. 35),

»Traumatherapie hat einen intrinsischen spirituellen Kern. Sie fördert das ›Embodiment‹ , die Verkörperung des Wesentlichen, die Rückverbindung des Ichs mit dem numinosen Kern des Seins und eine Bewusstseinstransformation, die zu einer Reintegration der Persönlichkeit auf einer neuen Ebene führt. In Traumatherapien sollten klinische und spirituelle Zugänge zusammenspielen.«

Durch das ganze Buch hindurch spürt der Leser bei der Autorin die erfahrungsnahe, liebevolle Präsenz, gepaart mit kritischer Reflexion. Es sind die eingangs erwähnten »zwei Flügel der buddhistischen Psychologie« (ebd., S. 6). Das Buch ist eine Schatztruhe für interessierte Laien und für PsychotherapeutInnen jeglicher Herkunft! Das baldige Erscheinen einer deutschen Fassung ist sehr zu wünschen.

 

Literatur

Bair, D. (2007 [2004]). C.G. Jung. Eine Biographie. München: Knaus [Engl. Originalausgabe: Jung (2004). A Biography. London/NY: Little, Brown and Company].
Cvetkovich, A. (2003). An Archive of Feelings. Trauma, Sexuality, and Lesbian Public Cultures. Durham,NC/London: Duke UP.
ETG = Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung. Aufgezeichnet und hrsg. von A. Jaffé. Zürich/Stuttgart: Rascher, 1961; Lizenzausgabe: Zürich: Ex Libris, 1976.
F/J B = Sigmund Freud/C.G. Jung Briefwechsel. Hrsg. von W. McGuire und W. Sauerländer. Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1974.
Gaudissart, I. (2014). Love and Sacrifice. The Life of Emma Jung. Ashville, NC: Chiron Publ.
Höfer, R. (1993). Die Hiobsbotschaft C.G. Jungs. Folgen sexuellen Mißbrauchs. Lüneburg: zu Klampen.
Jung, C.G. (1958 [1916]). Die transzendente Funktion. In ders. (1995), Die Dynamik des Unbewußten. Gesammelte Werke, Bd. 8, S. 79–108. Düsseldorf: Walter [Sonderausg.].
Jung, C.G. (2009). Das Rote Buch: Liber Novus. Hrsg. von S. Shamdasani. Ostfildern: Patmos.
Rudolf, G. (²2014). Psychodynamische Psychotherapie. Die Arbeit an Konflikt, Struktur und Trauma. Schattauer (Stuttgart).


           »Die Erfahrungsmodalitäten von Sein und Handeln, von liebevoller Präsenz und kritischer Reflexion – die zwei Flügel der Buddhistischen Psychologie – bieten wertvolle Einsichten in die Arbeit mit traumatisierten Menschen und ihre qualvollen emotionalen und kognitiven Zustände. […] fruchtbar auch die Übereinstimmungen zwischen kontemplativen Traditionen und gegenwärtigen neurowissenschaftlichen Forschungsergebnissen« (Wirtz, 2014, S. 6).

           Im Sinne von Thomas S. Kuhn (1976): Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (Frankfurt a.M.: Suhrkamp).

           Hierzu Jung: »[V]ermutlich war ihr Leiden die Folge ihrer Enttäuschung in der Ehe. […] Die lange Abwesenheit meiner Mutter hat mir schwer zu schaffen gemacht. Seit jener Zeit war ich immer misstrauisch, sobald das Wort ›Liebe‹ fiel. Das Gefühl, das sich mir mit dem ›Weiblichen‹ verband, war lange Zeit: natürliche Unzuverlässigkeit. ›Vater‹ bedeutete für mich Zuverlässigkeit und – Ohnmacht. Dies ist das handicap, mit dem ich angetreten bin« (ETG, S. 14f.).

In einem frühen Brief an Freud gesteht Jung, dass er »als Knabe einem homosexuellen Attentat eines von mir früher verehrten Menschen unterlegen bin« (F/J B, 28.10.1907; 49 J, S. 105; zitiert und ausführlich kommentiert in Bair, 2007, S. 106ff.). Der Täter war möglicherweise der beste Freund von Jungs Vater, ein katholischer Priester, in dessen Haus auch Jung fils verkehrte (ebd., S. 107f.).

           An den Krieg, der erst im August 1914 ausbrach, dachte er nicht; viel mehr vermutete er, »von einer Psychose bedroht« zu werden (ETG, S. 179).

           Im amerikanischen Original (Bair, 2004, S. 70) heißt es »his canny mother, whose scorn he feared«; canny bedeutet wachsam, schlau, gerissen, scorn Spott, Hohn, Verachtung. Jung selbst bezeichnete sich als »Frauen gegenüber richtiggehend schüchtern« (Bair, 2007, S. 105). In ihrer Biografie von Emma Jung schreibt die französische Psychoanalytikerin Imelda Gaudissart (2014, S. 44f., 54f., 76ff., 126f.) mit Bezug auf Jungs Affären mit Sabine Spielrein und Toni Wolff kritisch von Jungs selbstbehauptetem »polygamen Instinkt« und zitiert Jungs Brief vom 7. März 1909 an Freud: »[D]enn bislang hatte ich von meinen polygamen Komponenten trotz aller Selbstanalyse eine ganz unzulängliche Vorstellung […] Diese schmerzlichen und doch höchst heilsamen Erkenntnisse haben höllisch in mir gewühlt …« (F/J B, 133 J, S. 229f.).

           Zu Jung und der Missbrauchsthematik siehe Wirtz (1989), besonders S. 31–46, sowie die akribische Arbeit von Renate Höfer (1993). Höfer schreibt: »Jung kennt die Brutalität des Inzest in der Wirklichkeit; aber er verleugnet die Häufigkeit und vor allem die Tatsachen und das Ausmaß der traumatischen Folgen. An ihre Stelle tritt die verdrängende Aufwertung durch Erklärung von Archetypik, Göttlichkeit und Kollektivität, worin die konkrete Entwertung der Betroffenen durch die Täter verschwindet« (Höfer, 1993, S. 327).

           In der psychodynamischen Psychotherapie bezeichnet der Begriff des Embodiment mit Bezug auf die frühe Entwicklung des Selbst, »dass Baby und Erwachsene vorwiegend handelnd interagieren und dabei insbesondere körperliche Erfahrungen erlebt und implizit gespeichert werden.« Belastende Beziehungserfahrungen stören die strukturelle Entwicklung, wenn ausreichende positive Entwicklungsanreize fehlen (Rudolf, 2014, S. 41).


           »In diesem Buch geht es um die Suche nach der Seele jenseits des Seelenmordes« [Alle Übersetzungen von R. Ware].

Robert C. Ware      
Mai 2016

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