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Manfred Spitzer: Digitale Demenz. 368 S., Droemer-Knauer 2012

 


Der wohl bekannteste deutsche Hirnforscher zeigt in seinem Buch „Digitale Demenz“ erneut die verheerenden Folgen digitaler Medien für das menschliche Gehirn auf, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Der Begriff Neuroplastizität, in der Hirnforschung inzwischen ein Allgemeinplatz, besagt die ständige Veränderbarkeit neuronaler Strukturen, selbst bis ins hohe Alter. Das Gehirn verändert sich also wie „eine Art Dauerbaustelle“, um sich den wechselnden Anforderungen anzupassen, so Manfred Spitzer. Wir können nicht nicht lernen, schreibt der Leiter der Psychatrischen Uniklinik Ulm weiter. Daher hinterlässt jede Tätigkeit, jeder Gedanke und Reiz Spuren in unserem Gehirn aus denen bei häufiger Benutzung Trampelpfade und Autobahnen werden.Den meisten Menschen wird wohl nach dem Lesen dieser kurzen Erklärung ein bisschen unwohl, wenn sie an die viele Zeit denken, die sie selbst vor dem Bildschirm verbringen. Mulmig wird dem Leser auch, wenn er liest das deutsche Jugendliche (Neuntklässler) im Mittel mehr als 7 Stunden täglich digitale Medien konsumieren. Und wenn es nach Politikern, Softwareunternehmen und Medienpädagogen geht sollen am besten alle Schüler mit einem Laptop ausgestattet werden. Smartboards und Computer statt Tafel und Hefte in Grundschulen. Damit auch die ganz Kleinen von dem medialen Fortschritt profitieren gibt es Lern-DVDs ab 6 Monaten. Man kann vieles darüber denken, aber eines haben diese Dinge jedenfalls nicht: Keine Auswirkung auf das menschliche Gehirn!

Manfred Spitzer ist es erneut gelungen anschauliche Darstellung empirischer Studien mit leicht verständlicher Erklärung neurobiologischer Fakten zu verbinden. So geht er der Frage nach, ob man mit Laptops und Ebooks tatsächlich besser lernen kann, als mit Printmedien? Ob etwa Multitasking zu höherer kognitiver Leistung bei den „digital natives“ führt? Fördert Facebook wirklich unsere sozialen Fähigkeiten? Und was haben „copy and paste“ sowie google mit mentaler Verarbeitungstiefe zu tun? Nach der Lektüre des Buches fragt man sich nur eines: Warum gehen die dargelegten Erkenntnise an Politik und Gesellschaft vorbei? Auch hierfür sucht Spitzer Anworten: Lobbying und gezielte Desinformation der großen Unternehmen, Angst von prekären Familien, ihre Sprößlinge würden den gesellschaftlichen Anschluß ohne mediale Kompetenz verpassen und die suchterzeugende Wirkung von digitalen Medien selbst seien einige der Gründe. Ein Buch das auch durch die Erfahrungsberichte des Autors selbst besticht, sei es als Arzt mit Patienten, als Experte vor Gericht oder in von Politikern gebildeten Komissionen.

Dieses Buch allein wird die digitale Demenz nicht stoppen können, aber es kann dazu beitragen, dass wir ein Bewusstsein für die Problematik von digitalen Medien entwickeln und Kinder nicht ungeschützt den medialen Bewusstseinsdrogen ausliefern.

Felix Ter-Nedden, Bonn      

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Digitale Demenz


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