logo

Souljah, Sister (Williamson, Lisa):: Der kälteste Winter aller Zeiten, Roman Zürich 2001, 416 Seiten, Haffmans Verlag, DM 39,-


Lisa Williams, 1964 in der Bronx, New York, in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen, später engagiert für die Rechte der Schwarzen. Sie kennt das Genre, hat einen Namen in der HipHop-Szene, 1995 ihre Autobiographie, "No Disrespect", veröffentlicht und nun ihren ersten Roman. Die Story ist in Brooklyn angesiedelt. Winter, Tochter des mächtigen Drogenbarons, als verwöhnte Tussi aufgewachsen, mit allen Drogengeldern aufgemotzt, und durch und durch "abgefuckt", rettungslos narzisstisch und eigentlich eine Figur, die dem Theaterstück "shoppen und ficken" entsprungen sein könnte.

Die Gegenfigur: Sister Souljah, ein Gutmensch, religiös inspiriert, hält Vorträge im Knast und versucht die gefallenen Schäfchen zu bekehren. Natürlich begegnen sich die zwei, aber unsere Protagonistin ist nicht zu bekehren, auch nicht nachdem ihr Vater in der Schlacht um die Drogenpfründe untergeht. Zu guter Letzt landet auch Winter, unsere Gangsterbraut im Knast, indes immerhin einer, der "Ziehsohn" ihres Vaters, den sie begehrt und nicht erhält, von dem wir auch eine deprimierende Kurzbiographie kennen lernen, von Sister Souljah bekehrt wird und ein bürgerliches Leben beginnt.

Ein Genreroman? Sex and Crime? Etwas zum Aufgeilen? Ein moderner Sklavenroman, der die Schwarzen in der neuen Abhängigkeit von Drogen und Geld zeigt? Etwas für den braven Bürger, der sich an den sexuellen Szenen hochzieht, sich ansonsten in seinem Vorurteil über die triebhaft-verderbten Schwarzen bestätigt findet? Es steckt wohl alles drin, in diesem Roman. Letztlich zeigt er eine junge Frau, die nach oben will, bzw. oben bleiben will, schließlich der gerechten Strafen nicht entkommt? Es fällt jedenfalls schwer, sich der Begeisterung der Online-Rezensenten anzuschließen, die der Verlag auf dem Umschlag abgedruckt hat. Psychologisch betrachtet ist es in jedem Falle eine Studie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, im Kern völlig beziehungsunfähig und abgesehen von der narzisstischen Bindung an den Vater völlig unloyal, d.h. egozentrisch, eben weil sie kein tragfähiges Ich ausbilden konnte. In diesem Sinne eine moderne Milieustudie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und unter diesem Gesichtspunkt auszuhalten.

Dipl.-Psych. B.Kuck, April 2001
© PPFI, B. Kuck

direkt bestellen:


Sister Souljah, Der kälteste Winter aller Zeiten


zurück