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Rieken/Sindelar/Stephenson: Psychoanalytische Individualpsychologie in Theorie und Praxis. Psychotherapie, Pädagogik, Gesellschaft. 483 S., Springer (Wien, New York) 2001, 59,99 Ä

 


Dieses Lehrbuch, anlässlich des 100. Geburtstages der Individualpsychologie die erste umfassende Darstellung der Methode seit dreißig Jahren, stammt aus der Feder einer kleinen und ambitionierten Truppe von Kolleginnen und Kollegen, die sich erst vor einigen Jahren von ihrer Wiener Muttergesellschaft getrennt haben. Es etablierte sich an der Wiener Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU) eine Community, die als Novum gleichzeitig sowohl eine schulenspezifische psychotherapeutische Ausbildung als auch ein Studium der Psychotherapiewissenschaft anbietet. Macht man sich die geringe Größe dieser neuen Community und auch die geringe Zeit ihres Bestehens klar, und wirft man gleichzeitig einen Blick auf die in diesem gemeinsamen Werk zur Sprache kommenden Themenstellungen, dann kann man, um es gleich vorwegzunehmen, mit Fug und Recht behaupten, dass hier eine famose Leistung erbracht wurde. Das Lehrbuch trägt die Potenz in sich, der österreichischen Psychoanalyse (nicht nur der Individualpsychologie) neue Wege zu weisen – auch in Richtung einer Öffnung des Settings. Die implizit auf mich wirksame Atmosphäre dieses Buches löste das Bild aus, dass ein frischer Wind durch ein verstaubtes Wien weht und vielleicht so viel Staub aufwirbelt, dass nicht nur die Studenten an der SFU davon profitieren, sondern auch die etablierte Kollegenschaft ein wenig aus ihrem Dornröschenschlaf aufgerüttelt wird; die Verkaufszahlen der Erstauflage geben Anlass zu dieser Hoffnung.

Ich bespreche dieses erste umfangreiche Lehrbuch der Individualpsychologie seit den 1980er Jahren aus dem Blickwinkel eines psychoanalytisch orientierten Therapeuten körperlicher Orientierung, der den Adleríschen Ansatz nur oberflächlich kennt. Ich kann daher keinerlei Aussagen über die Art und Weise treffen, wie sich die Theorieentwicklung der Individualpsychologie in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat – für ein aktuelles Lehrbuch ein entscheidendes Kriterium. Eine intersubjektiv-relationale Grundorientierung ist allerdings klar zu spüren, ebenso wie alle Anzeichen für eine »offene« Psychoanalyse, die nicht auf in stereotyper, kryptoreligiös anmutender Weise immer wieder auf die Schulengründer verweist, sondern Nachbarwissenschaften wie die Gehirn-, die Säuglingsforschung und speziell die Kulturwissenschaften zentral integriert. Um Verständnis bitte ich, dass in Anbetracht des großen Umfangs des Lehrbuchs und dem gebotenen beschränkten Platz einer solchen Besprechung nur einzelne Teile von mir herausgegriffen werden können, die durchaus persönlichen subjektiven Schwerpunktsetzungen entsprechen.

Beginnt man mit dem Lehrbuch nicht in chronologischer Reihenfolge von vorn, sondern sieht man sich zuerst das Sachverzeichnis an, dann springen einem im Buch besonders häufig genannte Begriffe ins Auge. Es hat mich – als einen, für den Psychotherapie im Kern angewandte Entwicklungspsychologie darstellt – ausgesprochen gefreut, dass der Begriff »Entwicklung« der mit Abstand am meisten genannte Begriff ist, gefolgt von »Sinn«, »Mutter«, »Gemeinschaft«, »Lebensstil«, »Angst« und »Gemeinschaftsgefühl«. Auch wenn man diese Reihung vermutlich nicht überinterpretieren sollte, so gibt sie dennoch eine erste Orientierung, wohin die Reise gehen wird.

Beim Durchblättern des Buches sind mir Abschnitte aufgefallen, die man nicht selbstverständlich in einem psychoanalytischen Lehrbuch findet und die sofort mein Interesse geweckt haben, wie: Erziehung im Wandel der Zeit; Erziehungsfeld Schule; Spiritualität und Religion; Homo ludens (Spiel, Kultur und Psyche); Politik und Gesellschaft (z. B.: Barack Obama und die US-Amerikaner oder der Fall Guttenberg und die politische Kultur in Deutschland); Katastrophenforschung und einiges mehr. Mit anderen Worten, das Buch beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen und der Bogen ist sehr weit gespannt. All dies spricht für einen groß angelegten Entwurf, und man gewinnt den Eindruck, dass hier sehr viel integriert wird, bis hin zu gesellschaftspolitischen und religiösen Gesichtspunkten. Es war dies ein ausdrückliches Anliegen der Autoren und entspricht wohl der Adleríschen Grundausrichtung, den Blick über das psychotherapeutische Setting hinaus in unterschiedlichste Schauplätze unserer Welt zu richten.

Die Auseinandersetzung mit körperpsychotherapeutischen Gesichtspunkten dürfte eine neuere Entwicklung darstellen, denn Bezüge sowohl theoretischer Natur als auch praxeologischer Folgerungen findet man eher sporadisch – aber es gibt sie! Beispielsweise wird in einem Theoriekapitel versucht, das Konzept der Lebensbewegung, zentral für unser eigenes Lehrbuch »Psychoanalyse der Lebensbewegungen« (Geißler/Heisterkamp 2007), auf grundlegende Konfliktstrukturen zu beziehen, wie sie von S. Mentzos ausgearbeitet wurden und die mich an Systematisierungsversuche von J. Berliner im Sinne der Diagnose eines »Main issue« (dargestellt in Geißler 2009) erinnert haben. Dabei werden typische Bewegungsmuster, ein »Handlungskern« (S. 145) genannt wie beispielsweise »Ablenkungsbewegungen« für den hysterischen Modus oder ein »Springen« zwischen unterschiedlichen Impulsen beim Borderline-Modus. Nebenbei sei vermerkt, dass die charakterstrukturspezifische Bestimmung eines Handlungskerns auch typisch war für die Bioenergetische Analyse, in Kombination mit bestimmten Haltungsmustern, wie beispielsweise die Tendenz zum »Auseinanderfallen« und das damit verbundene »Zusammenhalten«, im Bereich tief liegender und gelenkübergreifender Körpermuskulatur bei der schizoiden Struktur. In einem praktischen Beispiel (S. 315ff.) wird veranschaulicht, wie bei einem männlichen Patienten mit einem frühen sexuellen Missbrauchserlebnis die damit verbundene Wunde handlungssymbolisch durch eine Berührung geschlossen werden konnte, gefolgt von grundsätzlichen Überlegungen zur Abstinenz. Körperpsychotherapeutische Interventionen werden verstanden als sinnvolle Ergänzung, »wenn die körperlich-seelische Erstarrung nicht allein verbal hinreichend gelockert werden kann oder wenn frühe Defizite vorhanden sind, die durch Berührung eine gewisse Stillung zu erfahren vermögen« (S. 319). Gewiss, die Palette der Zugangsmöglichkeiten zum Körper wird hier eher allgemein genannt, und das gesamte Spektrum des »Körpers in Interaktion« (Geißler 2008) wird erst ansatzweise angegangen – aber: die generelle Ausrichtung ist ermutigend, und man darf sich für die nächsten Jahre in Wien auf neue Formen des Dialogs mit der analytischen Körperpsychotherapie einstellen.

Im ersten Kapitel zum geschichtlichen Teil erfahren wir Interessantes über die Vorgeschichte der Psychotherapie und Wissenswertes über den Seelenbegriff seit der Antike über das Mittelalter bis hin zur Aufklärung. Die Einführung der Evolutionsbiologie als dritte schulenübergreifende Metaperspektive neben der Säuglingsforschung und den Neurowissenschaften ist immer mehr im Kommen und könnte in einer Zweitauflage des Lehrbuchs klarer berücksichtigt werden. Greenspan und Shanker (2007) stellen ein nützliches Stufenmodell vor, das auf schlüssige Weise belegt, wie sich implizites Wissen in der Evolution von Homo sapiens fortentwickelt hat, von einfachen nonverbalen Formen der emotionalen »Aufladung«, die im Gegenüber ein erstes Bewusstsein einer eigenen Identität zu wecken vermögen, bis hin zu sehr komplexen Formen des wechselseitigen koregulierten emotionalen Signalisierens, mündend in der Fähigkeit zur Symbolbildung, zum Denken und zu anderen typisch menschlichen Fertigkeiten. Ihre Hauptaussage besteht darin, dass die Grundbausteine im emotionalen Signalisieren nicht angeboren sind, sondern dass sich ein langsam fortschreitender Prozess seit Millionen von Jahren dadurch vollzieht, dass diese kulturellen Fähigkeiten von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden; emotionales Lernen ist somit eine Kulturpraktik. Die Menschen der Antike befanden sich bereits auf einer recht elaborierten Stufe der Entwicklung des emotionalen Signalisierens, d.h. in einem Stadium der Bewusstseinsentwicklung, in dem bereits äußerst bemerkenswerte Fortschritte in ihrem abstrakten Denken zu verzeichnen waren. Während beispielsweise Homo sapiens vor ca. 130.000 Jahren damit begonnen haben dürfte, Brücken zwischen Gedanken zu bauen und logisch zu denken, was ihn beispielsweise befähigte, Beförderungsmittel wie Boote zu bauen; während die Magdalenen 12.000 bis 8.000 v.Chr. zu flexiblen Formen des abstrakten Denkens in der Lage waren, was es ihnen beispielsweise ermöglichte, komplexe Behausungen und einfaches Kochgerät zu produzieren; und während alte Kulturen 3.500 bis ca. 700 Jahre v.Chr. einen gemeinsamen Realitätssinn entwickelt hatten, der auf gemeinsamen Worten und Konzepten beruhte, zeichnete sich in der Ära der Antike erstes naturwissenschaftliches Denken ab, begleitet von der Entwicklung der Metaphysik, der Mathematik und der Geometrie. Individuen mussten in diesem Zeitalter in der Lage sein zu erkennen, dass sie ihre persönlichen Wünsche mit den größeren Erfordernissen einer Gemeinschaft in Einklang bringen mussten, mit deren Mitgliedern sie nicht durch Blutsbande oder Bräuche verbunden waren. Es war ein Novum, dass in der antiken Heilkunde anstatt magischer Beeinflussungen natürliche Ursachen für Krankheiten gesucht wurden, jedoch aus somatischer Sicht im Sinne einer »Humoralpathologie« und gegründet auf eine Vier-Säfte-Lehre.

Unter dem Einfluss des Christentums definierte sich der mittelalterliche Mensch auf der Grundlage einer gottgewollten Ständeordnung, vorwiegend über kollektive Instanzen, wie als Mitglied einer Familie, einer Religion oder eines Berufsstandes; daran etwas verändern zu wollen, wäre ihm widersinnig erschienen. Erst in der europäischen Neuzeit wurde das Individuum wirklich entdeckt. Der Glaube an die Vernunft wurde in der Epoche der Aufklärung und Romantik zur leitenden Maxime, und die dunklen Seiten des Menschen wurden in dieser Zeit neu bewertet. Wir erfahren, dass es der Mediziner C.G. Carus war, der 1846 den Begriff des »Unbewussten« in die Psychologie einführte – das Unbewusste als Mitgift der Romantik, einer Phase der Evolution des Menschen, als Entfremdungstendenzen im Zuge von Frühkapitalismus und Industrialisierung und die Umweltzerstörung ihren Anfang nahmen. Die Bedeutung des Trieblebens und der Emotionen wurde damals unterschätzt, und auch wenn Freud das Unbewusste nicht erfunden hat, so hat er ihm doch einen Teil seiner Rätselhaftigkeit genommen. Ebenso wie Freud war auch Adler »doppelgesichtig«, d.h. naturwissenschaftlich ebenso wie hermeneutisch ausgerichtet: Zum einen lag ihm ein biologisches substratgebundenes Verständnis zugrunde, wenn er von Organminderwertigkeit sprach; zum anderen waren ihm die Lebensumstände des Kindes sehr wichtig, als Nahtstelle zum hermeneutischen Verständnis.

Für mich als gebürtigen Wiener ist besonders interessant die scharfsinnige Analyse der Wiener Mentalität, in der – aus der Sicht des Autors kein Zufall – psychodynamische Theorien ihren Ursprung fanden. Kennzeichnend für Wien ist die Vorstellung, dass die Welt eine Bühne sei, wir nur unsere Rollen spielen und unser wahres Selbst hinter Masken verstecken, zusammenhängend mit dem Gegensatz zwischen rigider katholischer Sexualmoral und einem ausgeprägten Verlangen nach sexueller Freizügigkeit, wovon Schnitzlers Schriften ein beredetes Zeugnis ablegen; interessant zu erfahren, dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der der »Wille zum Schein« seine Blüten trieb, der Anteil des Dienstpersonals in der Wiener Bevölkerung 45% betrug, wodurch sich die typische Wiener »Servilität, verbunden mit einem speziellen Charme, wohl begründen lässt, mündend in eine Mischung aus »Fatalismus, Raunzer- und Querulantentum« und einer gewissen Konturlosigkeit (»niemand weiß genau, was er von anderen halten soll«) – eine treffliche Beschreibung der Wiener Seele, die nichts an Aktualität verloren hat und die zwischen Lebensfreude und Todessehnsucht schwankt.

Im Abschnitt über die Entwicklung der Individualpsychologie (Stephenson, S. 32–53) erfahren wir, dass Adler im Laufe seines Lebens mehrere Identitätswechsel vollzog und sich dieses Skript durch die gesamte Geschichte des Ansatzes wie ein roter Faden hindurchzuziehen scheint. Als humanistische Variante einer Psychoanalyse hat die Individualpsychologie mit einem grundlegenden Identitätsproblem zu schaffen und versucht es fortwährend zu überwinden. Zugleich war Adler im tiefsten Herzen Erzieher, was die pädagogischen Ambitionen auch moderner Vertreter und die Integration der Kinder- und Jugendarbeit ebenso wie die traditionsreiche Auseinandersetzung mit dem schulischen Feld verständlich werden lässt. Es entsteht ein guter Einblick in die Zeit der Zusammenarbeit mit Freud bis zu Adlers Trennung von der Mittwochgesellschaft am 22.01.1911, in die Anfänge der eigenständigen Vereinsgründung, in Adlers Reisetätigkeit nach England, Schottland und in die USA mit dem Ziel der Gründung eigener »Filialen« und der Etablierung einer zweiten Generation von Kolleginnen und Kollegen. Individualpsychologen der dritten Generation waren in Österreich die beiden Mediziner Walter Spiel und Erwin Ringel, in den 1970ern neben Walter Strotzka vielleicht die prominentesten Tiefenpsychologen im Wiener Raum. Die aktuellen Entwicklungen mündeten in Österreich in die bereits erwähnte Abspaltung und Gründung einer eigenständigen Community, wobei – wenn ich es richtig verstanden habe – eine Debatte um die Möglichkeiten und Chancen des Selbstenthüllung des Analytikers die Geister schied.

Zur hier dargestellten Entwicklungstheorie ist kurz zu sagen, dass sie vier Ansprüchen zu genügend hat: 1) Sie hat einschlägigen Forschungen Rechnung zu tragen; 2) Sie muss sich an zentralen entwicklungsrelevanten Grundbegriffen orientieren und ein Grundverständnis ermöglichen, was man aus individualpsychologischer Sicht als geglückte oder misslungene Entwicklung anzusehen hat; 3) Sie muss Grundlage therapeutischer Praxis sein; 4) Sie muss, einer Grundintention Adlers folgend, bei all dem versuchen, »was wir als Form erfassen, in Bewegung aufzulösen« (S. 103) – eine wahrlich körpertherapeutische Formulierung! Als die »Big Four« der modernen Enwicklungsforschung werden Affektregulierung, Mentalisierung, Bindung und Intersubjektivität klar benannt. Die relationale Orientierung wird entwicklungspsychologisch aus mehreren Perspektiven angegangen, wobei ich speziell auf das Konzept des »Virtuellen Anderen« des Norwegers S. Braten hinweisen möchte (S. 122), mit dem sich bereits Dornes (2006) sehr ausführlich auseinandergesetzt hat – mit Recht, wird doch aus diesem Blickwinkel die intersubjektive Ausrichtung des Menschen als etwas »menschlich Gegebenes« betont, und – aus evolutionsbiologischer Sicht als »Flaschenhalstheorie« bekannt – argumentiert – vielleicht der entscheidende Faktor, das Homo sapiens vor ca. 70.000 Jahren nicht für immer ausgestorben war, als seine Population nämlich nur mehr ein paar tausend Individuen groß gewesen sein dürfte (Manica et al. 2007).

Ein eigenes Kapitel widmet sich der Technik der individualpsychologischanalytischen Praxis und informiert über die therapeutische Beziehung, über das Erstgespräch, über den Traum, über die Frage der Orthodoxie in den Behandlungstechniken und über Beispiele aus der Praxis. Hier erfahren wir, dass Adler ebenso wie Freud menschliches Verhalten als determiniert versteht, jedoch nicht in erster Linie, wie bei Freud, kausal, sondern final determiniert, einem Lebensplan folgend. Der hier in diesem Lehrbuch vertretene intersubjektive Ansatz sieht die Verbindung zwischen Patient und Therapeut nicht mehr wie in der Objektbeziehungstheorie als Rahmen, der Entwicklung ermöglicht, sondern »als intersubjektives Feld, in welchem das Selbst sich konstituiert« (S. 206). Übertragung und Gegenübertragung werden dabei nicht als vorgegeben verstanden, sondern als gemeinsame Konstruktionsleistung. Die wichtige Frage des Verhältnisses zwischen einer konstruktivistischen Position und einer möglicherweise in Teilaspekten objektiven Vergangenheit wird nicht umschifft. Diese Diskussion drängt sich gerade besonders dann auf, wenn wir neben historisch belegbaren Fakten, wie Originalaussagen der Eltern (S. 207), Foto- und Videodokumentationen auch den Körper als einen (nicht ausschließlichen) »Ort der Wahrheit« und damit verbunden als Via regia zum Unbewussten verstehen (m.E. mehr zum impliziten Unbewussten als zum dynamischen), denn in ihm, z. B. in bestimmten Körperhaltungen, Bewegungsmustern, Gesichtszügen, Lautartikulationen usw. haben sich bestimmte Aspekte der Lebensgeschichte in beobachtbarer Weise eingeprägt; sie sind als verkörperte Lebensgeschichte immer vorhanden, manches Mal nehmen sie im Zuge einer körpernahen Form der therapeutischen Arbeit auch die Form von »Körpererinnerungen« an, die – z. B. im Zuge emotional-kathartischer Prozesse – spontan im Bewusstsein auftauchen.

Eigene Buchabschnitte befassen sich mit der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ebenso wie mit gruppentherapeutischer Arbeit, wiederum in Bezugnahme auf körpertherapeutische und auch andere Zugangsweisen. Gestaltungstherapeutische Ansätze werden an manchen Stellen durch Zeichnungen illustriert und auf diese Weise verlebendigt. Mit diesen zugegeben selektiv gewählten Eindrücken aus einem Buch, dem man nur viele weitere Auflagen wünschen kann, hoffe ich, Neugier geweckt zu haben, und lege seine Lektüre Kolleginnen und Kollegen aus allen Psychotherapieschulen, Studenten und Ausbildungskandidaten ausdrücklich ans Herz. An die Adresse des Verlags geht der Wunsch, trotz begrenzter Budgetmittel bei der Folgeauflage für ein professionelles Lektorat Sorge zu tragen, um das Ausmaß an Schreibfehlern so gut wie möglich zu minimieren.

 

Literatur

Dornes, M. (2006): Die Seele des Kindes. Entstehung und Entwicklung. Frankfurt a.M. (Fischer).

Geißler, P. (Hg.) (2008): Der Körper in Interaktion. Handeln als Erkenntnisquelle in der psychoanalytischen Therapie. Gießen (Psychosozial).

Geißler, P. (2009): Analytische Körperpsychotherapie: eine Bestandsaufnahme. Gießen (Psychosozial).

Geißler, P. & Heisterkamp, G. (Hg.) (2007): Psychoanalyse der Lebensbewegungen. Zum körperlichen Geschehen in der psychoanalytischen Therapie. Ein Lehrbuch. Wien (Springer).

Greenspan, S.I. & Shanker, S.G. (2007): Der erste Gedanke. Frühkindliche Kommunikation und die Evolution menschlichen Denkens. Weinheim (Beltz).

Manica, A.; Amos W.; Balloux F. & Hanihara T. (2007): The effect of ancient population bottlenecks on human phenotypic variation. Nature 448, 346–348.

Dr. Peter Geißler (Wien)      
2012

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