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Oswald Ueli: Das Mädchen aus Piräus. Die unfassbare Geschichte einer Migrantin. Wörterseh Verlag, Gockhausen. 2015


Wieviel Leid kann ein Mensch eigentlich aushalten? Eine alte Dame erzählt einem Schriftsteller ihr Leben. Fast jeden Tag treffen sie sich im Park in Zürich. Oft bringt sie ihm eine selbst zubereitete griechische Spezialität mit und erzählt bei jedem Treffen einen weiteren Abschnitt. Das mutet wie eine Selbsttherapie an. Sie tut es, um ihre Traumata zu bewältigen, ohne dass ihr dies klar ist. Sie tut es aber auch, "damit die Leute sehen, wie viel ein Mensch ertragen kann, ohne unterzugehen".

Ungewolltes und ungeliebtes Kind, in desolaten Verhältnissen und im Heim aufgewachsen, nimmt sie mit 18 Jahren ihr Leben selbst in die Hand. Schon ihre Eltern und Voreltern waren 'Erniedrigte und Beleidigte'. Die Eltern kriegstraumatisiert, der Vater vor allem in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Griechenland nach 1945, wo er als Aufständischer denunziert wurde. Die Ehe der Eltern war zerrüttet. Und da die Mutter kaum sich selbst durchbringen konnte, geschweige denn zwei Kinder, kam Helena ins Weisenhaus - Mädchen sind weniger wert? Sie vergleicht die Verhältnisse der religösen Einrichtung mit einem KZ. Religiös verbrämte Gewalt, besonders durch eine "bitterböse Aufseherin", eine "vom Leben Enttäuschte".

Helena war ein lebendiges Kind, hat anscheinend eine enorme Vitalität als biologisches Pfand erhalten und sich durchgebracht. Und glückliche Umstände, immer mal wieder freundliche Menschen ließen Helena ihren Mut bewahren, schaffte es sogar bis zum Abitur.

Aber es ist auch die Zeit, in der Frauen selbstverständlich von Männern misshandelt werden. Die dumpfen und dumm religiös dunklen moralischen Vorstellungen führen zu einer Zwangsehe und weiterem Leid. Eigentlich wollte sie Kinderärztin werden. Aber mit Kind und so gut wie keinem Einkommen, kaum Aussicht auf einen bezahlten Job, wurde daraus nichts. Die Schweiz wurde Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts als gelobtes Land gehandelt. Und so machte sie sich in ihrem 19. Lebensjahr auf in die Schweiz.

Auch hier hatte sie keinen leichten Stand und mit großen Schwierigkeiten und Enttäuschungen zu ringen. Immer wieder trifft sie aber auch auf freundliche und unterstützende Menschen und schließlich im Alter noch auf einen Schriftsteller, der bereit ist, ihre Geschichte anzuhören, die Zeugenschaft für die traumatisierenden Erlebnisse zu übernehmen. Durch die Veröffentlichung ist zugleich ein Dokument geschaffen, das von Anfang bis Ende eine Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit ist.

Bernd Kuck      
Mai 2015

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Das Mädchen aus Piräus

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In Bonn-Bad Godesberg z.B. in der Parkbuchhandlung

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