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Krutzenbichler/Esser: Muss denn Liebe Sünde sein? Über das Begehren des Analytikers, Bad Berleburg/Göttingen 1991, 187 Seiten

Seit die Diskussion um den sexuellen Mißbrauch in Gang gekommen ist, bleibt auch die Psychotherapie und die Psychoanalyse nicht verschont. Endlich wird es Thema, ein Thema, daß gerade in der Psychoanalyse erhebliche Bedeutung hat, ist doch ein zentrales Theorem die Stellung der Sexualität im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft. Drum wundert es um so mehr, daß sexuelle Kontakte zwischen Analytiker und Analysandin aber auch Analytikerin und Analysand kaum je aus der Tabuzone heraustraten. Selbst in den Ausbildungen war - und ist? - es kaum thematisiert. Die Autoren beginnen ihre Untersuchung bei den Anfängen der Psychoanalyse, in denen ja gerade die „sexuelle Attacke“ der Berta Pappenheim, Anna O. auf Breuer zu einiger Verwirrung bei ihm, aber gerade auch zu wichtigen Entdeckungen führte. „Verhältnisse“ hat es dann immer wieder zwischen Analytikern und Analysandinnen gegeben, wobei kaum zu übersehen ist, daß die Analytiker gerade diejenigen waren, die durchaus initiativ wurden. Beispiele sind Jung und Sabina Spielrein, aber auch die Verstrickungen Sándor Ferenczis, Ernest Jones´ Wilhelm Stekel und anscheinend ebenfalls Alfred Adler. Bis dato wird hier lediglich die Übertragungsliebe der PatientInnen in der Diskussion behandelt, indes verschwiegen wird, daß der Analytiker/die Analytikerin gar der treibende Keim sind. Immerhin stellt ja die Übertragungsliebe in der analytischen Theorie eine Voraussetzung für den Heilungsprozeß dar. Das heißt doch nichts anderes, als daß der Therapeut Eros im Patienten wecken muß. Nur ist hier nicht die körperliche Sexualität gemeint, wenngleich sie bei den unbefriedigten Patienten leicht geweckt wird. Hier kommt es dann auf den Therapeuten an, daß er in seinem Zärtlichkeitsbedürfnis und Sexualleben ausgelichen ist, um nicht der „Sprachverwirrung“ zu verfallen, wie sie Ferenczi bezüglich der Erwachsenen-Kind-Beziehung beschrieben hat.

Bernd Kuck, Bonn

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