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Köhnlein, Günther: Phänomen Arbeitsstörungen. - Den individuellen Arbeitsstil optimieren. Verlag vta, 2015


Seit der Erstveröffentlichung seines inzwischen vergriffenen Buches „Phänomen Arbeitsstörungen“ im Jahr 2010 haben sich in der Folge der Bankenkrise und der zunehmenden Globalisieung mit neo-liberalen Tendenzen weitere dramatische Umwälzungen für das Arbeitsleben ergeben. Der Autor hat nun mit einer an die neuen Herausforderungen angepassten Neuauflage seines Kompendiums zum Problem Arbeitsstörungen reagiert.

Im ersten Teil seines Buches gibt Köhnlein einen umfassenden Überblick über die Veränderungen der Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten und den damit verbundenen sich dem Zeitgeschehen anpassenden Anforderungen an die Arbeitenden. Viele Arbeitnehmer können die geforderten Anpassungsleistungen nicht mehr leisten und reagieren mit Arbeitsstörungen, die sich in Prüfungs- und Versagungsängsten, Burn-out, depressiven Verstimmungen und Sinnlosigkeitsgefühlen manifestieren. Im Kapitel „Arbeit und Selbstverwirklichung“ weist er auf die Bedeutung der Teilhabe an Arbeitsprozessen und die vielfältigen psychischen und sozialen Folgen für längerfristige Arbeitslose hin.

Ausführlich und durch Fallbeispiele veranschaulicht, wird der Begriff „Arbeitsfähigkeit“ diskutiert, wobei die unterschiedlichen Merkmale von Arbeitsfähigkeit wie soziale Gesichtspunkte, psychisch-emotionale, intellektuell-kognitv-geistige und handlungsbezogene Merkmale detailliert und sehr anschaulich dargestellt werden. Arbeitsfähigkeit setzt Beziehungsfähigkeit voraus. Arbeitsstörungen können auch einen Hinweis auf gestörte zwischenmenschliche Beziehungen darstellen.

Bevor Köhnlein sein eigentliches Anliegen, „Arbeitsstörungen und Persönlichkeit“ vorstellt, erörtert er die unterschiedlichen Erscheinungsformen und Faktoren von Arbeitsstörungen. Einen großen Raum nehmen dabei die Störungen im Bereich der sozialen Beziehungen ein, wie auch die psychisch emotionalen Beeinträchtigungen. Psychosoziale Belastungsfaktoren wie Stress, Überforderung und Fehlbelastungen können zu psychosomatischen Störungen bis hin zu chronischen Erkrankungen führen.

In den zentralen Ausführungen zum Thema Arbeitsstörungen und Persönlichkeit interessiert sich der Autor für die inneren Konflikte, die einer Arbeitsstörung zugrunde liegen. Er erläutert die Zusammenhänge von Charakter, Lebensstil und Arbeitsstörungen und stellt sehr anschaulich und durch viele Beispiele aus der eigenen Praxis belegt die schizoide Persönlichkeit, den depressiven, den narzisstischen, ängstlichen, histrionischen und den zwanghaften Charakter vor. Diese unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen werden in Bezug auf ihre spezifischen Arbeitshaltungen und Arbeitsstörungen untersucht und ihre Stärken und Schwächen erläutert auch wie sie z.B. in der Lage sind mit Führungsverantwortung umzugehen.

In den ausführlichen Fallbeschreibungen wird deutlich, dass es im therapeutischen Handeln nicht nur auf die richtige Theorie über Arbeitsstörungen ankommt sondern auch auf die Fähigkeit des Therapeuten, sich in die Situation seines Patienten einzufühlen. Innere Reife, Lebenserfahrung und Offenheit ermöglichen es, gemeinsam an den Problemen zu arbeiten, mögliche Ressourcen aufzudecken und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die teils bewegenden, klar strukturierten Darstellungen von Therapieverläufen aus der psychotherapeutischen Praxis des Autors, machen deutlich, dass er über langjährige psychotherapeutische Erfahrungen verfügt. Sie geben dem Text eine lebendige Note.

Wie es im Geleitwort heißt, ist das Buch theoriegestützt und für die Praxis konzipiert und geschrieben. Dies wird in den abschließenden Kapiteln „Bewältigung von Arbeitsstörungen“ und „Thesen zur Überwindung von Arbeitstörungen“ deutlich. Kommt es durch Arbeitsstörungen zu einer persönlichen Krise, hängt dies auch mit fehlenden Lebenszielen zusammen und die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ wird häufig verfehlt. Im therapeutischen Sinne ist es in solchen Fällen die Aufgabe des Psychologen „das Gefühl der Verzweiflung in ein Gefühl von Hoffnung zu verwandeln. Hoffnung setzt Energien für die erfolgreiche Durchführung nützlicher Arbeit frei. Aufgabe einer Therapie ist es, die positiven Anteile der die Arbeit begünstigenden spezifischen Persönlichkeitsstruktur als Ressource zu verstehen und neu zu entdecken. Der Arbeitsgestörte muss lernen, Herausforderungen anzunehmen und probieren, diese trotz der Angst anzupacken, so dass sich das Selbstwertgefühl stabilisieren kann. In kleinen Schritten wird das Arbeitsvorhaben analysiert und bestimmt, was am dringlichsten zu tun ist. Es gilt den Teufelskreis von Allmachtsillusionen, Inaktivität und Protesthaltung zu durchbrechen, um die Hürde von Hinausschieben, Verzögern, Ausweichen und „Nebenkriegsschauplätzen“ zu überspringen, und handeln zu lernen, weg von „Ich muss“, hin zum „ich will“. Diese Schritte können oft nur mit Hilfe einer begleitenden Therapie gegangen werden.

Dr. Ulrich Kümmel      
2015

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Phänomen Arbeitsstörungen

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