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Gerald Hüther: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, Vandenhoeck & Ruprecht 2001, 139 S.


Der vorliegende Text ist 2001 in zweiter Auflage erschienen und hat inzwischen elf Auflagen erreicht. Natürlich ist es keine wirkliche Gebrauchsanweisung, wie sie heute jedem technischen Gerät beiliegt. Es geht auch auch nicht ums bloße Drücken von Knöpfen. Ja gerade in dieser Weise mit dem wunderbaren evolutionär gewordenen Gehirn des Menschen umzugehen würde seine Auslöschung und Erstarrung bedeuten. Hüther macht deutlich, was zu tun ist, um sich davor zu hüten. Er wählt durchaus die Parallele zu einem komplizierten technischen Gerät, gerne auch mal die Computermetapher, um zu zeigen, dass unser Gehirn prinzipiell offen ist und damit wandlungsfähig bis ins hohe Alter. Dazu bedarf es einiger Voraussetzungen, vor allem sorgsamen Umgang mit diesem wertvollen Teil des menschlichen Organismus.

Auf der Stufe tierischen Lebens, vor Auftreten des Menschen, nimmt die Lernfähigkeit durchaus zu. Sie erreicht bei den Säugetieren bereits ein beachtliches Ausmaß. Der Mensch jedoch hat das fexibelste Gehirn "erhalten". Dies macht verständlich, wieso er nicht nur in Nischen des Globus zu finden ist, sondern inzwischen überall. Das hat den Vorteil, dass er bei Veränderungen des biologischen Gefüges flexibel antworten kann, indes Nischenwesen unter Umständen zugrunde gehen, wenn sich ihr Lebensraum so verändert, dass er ihrer Spezialisierung nicht mehr entspricht. Die ungebremste Vermehrung des Menschen ist zugleich das Problem, zumal er sich in rücksichtsloser Weise zu Lasten vieler - oder gar aller - anderen Lebensformen ausbreitet. In seiner egozentrischen Sicht hält sich der Mensch für die Krone der Schöpfung und man muss wirklich befürchten, dass uns diese Hybris ruinieren wird.

Hüther beschreibt in gut lesbarer und nachvollziehbarer Weise die Entwicklung unseres Gehirns im evolutionären Prozess. Er zeigt die Probleme in der falschen Nutzung dieses hochgeschätzten Organs auf und kommt zu dem Schluss, dass die Voraussetzung für eine Leben bejahende "Nutzung" Bindungsfähigkeit, gemeinschaftliches Leben und Kommunizieren im persönlichen Kontakt, Achtsamkeit in der Wahrnehmung nach innen und außen, Gleichgewicht zwischen Gefühl und Verstand, Gleichgewicht zwischen Abhängigkeit und Autonomie, Gleichgewicht zwischen Offenheit und Abgrenzung, letztlich die Liebesfähigkeit als verbindendes und tragendes Gefühl die Voraussetzungen sind. In dem von ihm mit herausgegebenen Buch "Connectedness" sucht Hüther diese Gedanken fortzuführen und bringt weiter Denkende zusammen.

Bei Gracián, dem spanischen Jesuitenpater aus dem 17. Jahrhundert findet er bereits diese Grundsätze formuliert. Und es bleibt die zu lösende Aufgabe, dieses alte und immer wieder neue Wissen in gelebte Erfahrung zu überführen.

Bernd Kuck      
September 2014

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