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Thomas Hohensee: Das Erfolgsbuch für Faule. Entdecken Sie, was Sie wirklich wollen und wie Sie es ohne Stress erreichen. München 2002, Kösel, 197 Seiten


Viele Erfolgsprogramme versprechen dem Leser, er könne alles erreichen, was er wolle. Sie propagieren konsequentes positives Denken und weisen auf die Gefahren des negativen Denkens hin. Dies führt gerade bei Menschen mit psychischen Problemen recht bald zu Enttäuschungen; da sie ihr negatives Denken nicht so ohne weiteres abstellen können, kann dies sogar zu einer Verschlimmerung von Ängsten führen.

Das „Erfolgsbuch für Faule“ von Thomas Hohensee ist bei allem Optimismus, den es ausstrahlt, doch in vieler Hinsicht auf angenehme Art realistisch. Der Autor weist nachdrücklich darauf hin, dass es nicht darauf ankommt, äußere Erfolge zu erzielen, sondern die Ziele zu erreichen, die mit persönlichem Glück und Zufriedenheit verbunden sind.

In der Einleitung beschreibt Hohensee ein Programm, das in fünf Schritten zum Erfolg führt: 1. Setzen Sie sich ein Ziel. 2. Motivieren Sie sich. 3. Machen Sie einen Plan. 4. Handeln Sie. 5. Überwinden Sie alle Hindernisse.

In den folgenden fünf Kapiteln werden diese verschiedenen Phasen auf dem Weg zum Erfolg näher erläutert:

Der Autor geht zurecht davon aus, dass viele Menschen nicht so genau wissen, was sie wollen und für welche Ziele sie sich begeistern und engagieren könnten. Er schlägt eine Reihe von Übungen vor, die dabei helfen können, erstrebenswerte Ziele zu formulieren, z. B. „Wenn Sie reich wären“, „Ihre bisher beste Zeit“ oder „Zwanzig Dinge, die Sie gerne machen“. Genauso können aus Problemen positive Ziele entwickelt werden. Der Autor empfiehlt, Glücklichsein als eigenständiges Ziel zu betrachten; es könnte sonst passieren, dass eine Person ein Ziel (z. B. Karriere im Betrieb machen) erreicht, dann aber feststellt, dass sie dadurch nicht zufriedener geworden ist. Sofern man mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt, plädiert Hohensee für einen mittleren Weg zwischen Verzettelung und Fixierung.

Das Kapitel über Selbstmotivation gibt Hinweise, wie man sich nicht nur kurzfristig motivieren kann, sondern die Motivation auch immer wieder auffrischen kann. Bei komplexeren Problemen ist es nötig, einen Aktionsplan auszuarbeiten. Das dritte Kapitel gibt wichtige Anregungen für eine flexible Planung. Im folgenden Abschnitt werden Hinweise für die schrittweise Umsetzung des Aktionsplans gegeben. Da Kontinuität und Ausdauer eine wesentliche Rolle für den Erfolg spielen, weist Hohensee nachdrücklich auf die Wichtigkeit von Pausen und Erholungsphasen hin.

Das fünfte und umfangreichste Kapitel beschäftigt sich mit der Überwindung von Hindernissen auf dem Weg zum Ziel. Neben der Bewältigung äußerer Hindernisse geht Hohensee auch auf den Umgang mit negativen Gefühlen wie Angst, Lustlosigkeit oder Wut ein, wobei er sich vor allem an Konzepten der kognitiven Verhaltenstherapie orientiert.

Insgesamt gesehen erscheint mir das Buch von Hohensee sehr anregend, wenn es um die Klärung von Lebenszielen und um Wege zu ihrer Realisierung geht. Die Ausführungen zum Umgang mit negativen Gefühlen sind dagegen sehr knapp und werden Menschen mit stärkeren emotionalen Problemen wohl kaum helfen können. Viele gute Anregungen, die das Buch enthält, wären sicher noch überzeugender, wenn Sie durch konkrete Fallbeispiele veranschaulicht würden. Als Begleitmaterial für eine Beratung oder Psychotherapie scheint mir dieses Buch gut geeignet.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zum Titel „DAS ERFOLSBUCH für Faule“: Dieser Titel soll sicherlich vor allem Interesse wecken. Er weist auch darauf hin, dass harte Arbeit keineswegs automatisch zum Erfolg führt; wer sich Zeit zum Überlegen und Muße gönnt und dann etwas Richtiges und Sinnvolles tut, kann oft mehr erreichen als der verbissene Workaholic. Wenn Leserinnen und Leser versuchen, die Prinzipien dieses Buches umzusetzen, werden sie aber wahrscheinlich bald feststellen, dass sie doch einiges (manchmal auch etwas Unbequemes oder Schwieriges) tun müssen, um persönlich bedeutsame Ziele zu erreichen.

Christof T. Eschenröder
Bremen
(Diese Rezension ist im PsychotherapeutenFORUM, 2003, 10 (1), 52 erschienen.)

 

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