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Geißler, Peter/Heisterkamp, Günter: Einführung in die analytische Körperpsychotherapie, Psychosozial-Verlag, Gießen 2013, 211 Seiten.

 


Die analytische Körperpsychotherapie hat sich in den letzten 25 Jahren in Auseinandersetzung mit der Bioenergetik (W. Reich, A. Lowen), Gestalttherapie (F. Perls), dem Psychodrama (J. Moreno) und der Familientherapie und deren Aufstellungspraxis, aber auch mit anderen künstlerischen Ausrichtungen entwickelt. Seit der Ferenczi-Debatte in den später 20-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren nicht nur therapeutische Elemente des körperlichen Ausdrucks als Agieren verschrien, sondern galten vor allem Berührungen des Körpers als äußerst gefährlich und standen Therapeuten oder andere therapeutische Richtungen, die hierauf als therapeutisches Agens setzten, unter Generalverdacht der Unseriosität oder innerhalb der Psychoanalyse der Häresie. Man macht es sich allerdings zu einfach, der klassischen Psychoanalyse den Vorwurf zu machen, sie würde den Körper völlig vernachlässigen – dagegen spricht allein schon die Tradition der sogenannten Psychosomatischen Medizin, die wesentlich ihre Impulse der Psychoanalyse verdankt. Jedoch blieb der Körper in der analytischen Therapie dem naturwissenschaftlichen Ideal der Medizin verpflichtet, sich bei der Operation nicht störend durch Bewegungen bemerkbar zu machen. In der Chirurgie wäre dies denn auch fatal – aber in der Psychotherapie? Denkgewohnheiten zu verändern braucht manchmal lange, zumal wenn der Therapeut sich mühevoll und unter großem persönlichen und finaziellen Aufwand etwas erarbeitet hat. Aber Sicherheiten können trügerisch sein. Und wenn sich in der Psychotherapie, besonders in ihren Erfordernissen für die Klienten, gesellschaftliche Entwicklungen abbilden, etwa ein Mangel des Erwerbs basaler Erfahrungen der Berührung, des Kontaktes, der Halt gebenden Begrenzung, der Mentalisierung des Empfundenen, dann muss die therapeutische Kompetenz sich weiter entwickeln. So ist denn die analytische Körperpsychotherapie (Heisterkamp verwendet lieber den Begriff der „leibfundierten analytischen Psychotherapie“) auch keine neue

„Methode im Sinne einer originären Erfindung, sondern eine organische Weiterentwicklung psychoanalytischer Therapie mit einem erweiterten Zugang zum Erleben: nicht nur über das sich aus dem verbalen Austausch ergebende Beziehungsgeschehen, sondern auch über körperliche und interaktive Wirkungszusammenhänge bzw. Austauschprozesse“ (S. 14f).

Durch die Berücksichtigung des leiblichen Erlebens – und das geht ungleich besser in der leiblichen Aktion und Interaktion – wird der phantasmatische Raum um den interaktionellen Raum erweitert, in dem verbal Unausdrückliches in modellhaften Szenen überhaupt erst zur Erscheinung kommt. Dabei wird implizites Wissen, das auch als unbewusstes Leibwissen bezeichnet werden kann, erst eigentlich sichtbar.

Der vorliegende Band ist eine gelungene Einführung in die komplexe Thematik. Herausgeber und Autoren sind renommierte Vertreter der analytischen Körperpsychotherapie, die auch an dem Lehrbuch der Herausgeber („psychoanalyse der lebensbewegungen“) mitgearbeitet haben. In Kurzfassung werden Beiträge, die teilweise in dem Lehrbuch ausführlicher zu finden sind, präsentiert, die eigentlich Lust machen, sich nun auch an das Lehrbuch zu wagen. Kennt man es, findet sich im vorliegenden Text nicht wirklich Neues. Für einen ersten Einstieg in die Materie – und das ist ja mit einer „Einführung“ intendiert – eignet sich das Buch hervorragend.


Bonn, Februar 2013
Dipl.-Psych. B.Kuck 

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Einführung in die analytische Körperpsychotherapie


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