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Appignanesi, Lisa/Forrester,John: Die Frauen Sigmund Freuds. Aus dem Englischen von B. Rapp und Uta Szyszkowitz. List Verlag, München Leipzig 1994 (engl. Freud's Women, 1992), 773 S. m. Register


Freuds Frauenbild ist zu Recht scharf kritisiert worden. In seinem Weltbild tauchen Frauen nur als misslungene Männer auf, da ihnen der Penis fehlt. Seine Thesen über Frauen wurden damals schon als biologistischer Unsinn zurück gewiesen, dennoch haben zwei Generationen eigentlich gescheiter Frauen darunter gelitten, dass es ihnen am vaginalen Orgasmus mangelt. Andererseits war die Psychoanalyse vor allem ein Frauenberuf und Freud hatte einige herausragende und kluge Mitstreiterinnen, deren Intelligenz er anerkannte und die er charmant umwarb. Die Autoren Lisa Appignanesi und John Forrester, sie ist Schriftstellerin und Literaturdozentin, er ist ein in Cambridge lehrender Freud-Forscher, lassen keinen Zweifel über die bedenkliche Dissonanz zu Freuds Werk und seinem Leben, wenn sie sich daran machen "Die Frauen Sigmund Freuds" vorzustellen.

Das Buch von der Größe und dem Gewicht eines Ziegelsteins beginnt mit Freuds Mutter, seinen Schwestern und findet in seiner Brautwerbung und der Heirat mit Martha Bernays einen ersten Höhepunkt. Die Fragwürdigkeit seines patriarchalischen Auftretens leuchtet hier schon auf. Ausgezeichnet wird die Stellung und Rolle der Hysterikerinnen aufgezeigt, die Freuds erste Patientinnen waren und seiner Theorie entscheidende Impulse gaben. Ihre Krankheit, die Hysterie, war sowohl Produkt als auch Gegenwehr gegen eine patriarchalische Gesellschaft. Die gesellschaftliche "Produktion" von Hysterikerinnen hat Freud jedoch nie wirklich ins Kalkül gezogen, seine Psychoanalyse war im Grundsatz immer Individualanalyse unter Ausblendung der sozialen Situation.

Der Fall Anna O. (Bertha Pappenheim) war das Verpuppungsstadium der "Redekur", die sich später zum bunt schillernden Schmetterling der Psychoanalyse entfalten sollte. Freuds Freund Breuer hatte am 7. Juni 1882 die Behandlung von einem Tag auf den anderen abgebrochen, angeblich, wie Freud 50 Jahre später schrieb, weil Bertha in einem hysterischen Anfall behauptete, von Breuer ein Kind zu bekommen. Freud selbst behandelte Anna O. nie; die Geschichte von der Scheinschwangerschaft ließ sich nie verifizieren. Wahrscheinlich ist, dass sich Freud irrte, oder dass er Breuer in seiner Funktion als Arzt absichtlich diskreditierte, um sein Licht als unerschrockener Pionier der Psychoanalyse heller strahlen zu lassen. Jedenfalls scheint das energische und einflussreiche Leben, das Bertha sich schuf, erstaunlich weit entfernt von der hysterischen Episode ihrer jungen Erwachsenenjahre zu sein. Später stand sie der Psychoanalyse skeptisch gegenüber: Sie sei ein zweischneidiges Schwert, je nachdem, wer sich ihrer bedient.

Man mag sich wundern, dass eine weitere Initialzündung der Psychoanalyse, die "Traumdeutung" von 1900, in diesem Buch eine breite Erörterung erfährt, doch ist dies gerechtfertigt, da in "Irma", der Zentralfigur seines zentralen Traumes, sich drei für Freud wichtige Frauen verdichten. Das alles wird sehr klug und minutiös auseinander genommen. Das Hauptmotiv des Traumes ist übrigens keineswegs das einer Wunscherfüllung, jedenfalls nicht von Freud, allenfalls vom Arzt Otto, der die falsche Injektion setzte; das Hauptmotiv ist vielmehr eine Rechtfertigung Freuds, er möge an den Schwierigkeiten seiner Patienten Irma nicht schuldig sein. Warum Freud auf dem Traum als Wunscherfüllung beharrte, bleibt auch nach den klugen Ausführungen von Appignanesi und Forrester ein Rätsel.

Ebenfalls ohne Aufhellung bleibt die rätselhafte Wendung Freuds in der Verführungstheorie. Er verstieg sich in die Vorstellung, dass alle seine Patientinnen vor der Pubertät vom Vater sexuell belästigt worden waren. Freud drängte seine Patientinnen, sich an frühen sexuellen Missbrauch zu erinnern, und als das nicht gelang, ließ er von der Verführungstheorie ab. Von nun an behauptete er, kleine Mädchen wollten von ihren Vätern geschwängert werden - die Geburtsstunde der Ödipus-Komplex-Theorie. Mit welchem faktischen Material Freud diese Wendung vollzog, bleibt im Dunkeln. Man muss wohl den gesamten Komplex - die Verführungstheorie, die Abkehr davon und den Ödipus-Komplex - als Spekulation ablegen.

Diese Spekulationen waren um 1900 vor allem sexueller Art, angewandt auch im "Fall Dora". Freud waren diese an den Haaren herbeigezogenen Deutungen wichtiger als die konkrete Person, die er behandelte, und so scheiterte die Behandlung auch dieses Falles, wie überhaupt die Erfolgsquote der Analyse immer recht bescheiden blieb. Ida Bauer, so der richtige Name von "Dora", entzog sich dem sexuellen Treibhausklima des Verbalakrobaten Freud auf eine höchst anständige und erwachsende Weise. Den schwierigen Fall stellen die beiden Autoren kongenial und facettenreich vor.

Elise Gombertz, Anna von Vest, Marie von Ferstel - so hießen einige von Freuds weiteren frühen Patientinnen, die an unterschiedlichen Beschwerden litten. Für Paranoikerinnen legte er eine mitfühlende Aufmerksamkeit an den Tag, obwohl er ihnen meist nicht helfen konnte. Von jeder seiner Therapien behauptete er, dass sie der Versuch seien, verdrängte Liebe zu befreien, die in einem Symptom einen kümmerlichen Kompromissausweg gefunden hatte.

Unter den Zuhörerinnen in Freuds Vorlesungen an der Wiener Universität war auch die Anarchistin Emma Goldmann, doch erst 15 Jahre später, 1910, wurde die erste Frau in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung gewählt, die Ärztin Margarethe Hilferding. Die Namen Hermine Hug-Helmuth und Sabina Spielrein sind verbunden mit internen Skandalen, Hug-Helmuth weil sie 1924 von ihrem Neffen erwürgt wurde, Spielrein, weil sie in einem analytisch-erotischen Dreieck mit Freuds Kronprinzen Carl Jung eingespannt war - ebenso wie später die hochintelligente und bildhübsche Loe Kann.

Loe Kann war die erste Frau von Ernest Johns, eine eigenständige, reiche und großzügige Frau, die die von Freud geforderte Unterwerfung zumindest für die Zeit der Analyse zurückwies. Das Scheitern so vieler Analysen liegt mit daran, dass Freud Aussagen Glauben schenkte, die bestimmt nicht wahr waren und daneben auch wiederum Dinge nicht hat glauben wollen, die gewiss stimmten. Freuds Versuch, schwer haltbare theoretische Vorannahmen durchzusetzen, führte immer wieder zu Missstimmungen, bis hin zum Abbruch von Analysen.

Von strahlender Unabhängigkeit erscheint uns Lou Andreas-Salomé, die 1912 im Alter von 51 Jahren und gut aussehend zum Studium der Psychoanalyse nach Wien kam. Freud war sicherlich der Patriarch einer inzestuösen Großfamilie aus realen Familienmitgliedern, Patientinnen und Patienten, Förderern und Unterstützern, doch er wäre es nicht gewesen ohne die starke finanziell Unterstützung von Mitarbeiterinnern und Bewunderern. Ein Mann mit weitreichenden Plänen braucht großzügige Frauen mit einem gut gefüllten Bankkonto.

In Andreas-Salomé glaubte Freud einen Prototyp des Narzissmus gefunden zu haben. Die Narzisstin ist für Freud der echte und reinste weibliches Typus, damals noch nicht eingeschwärzt durch seine spätere Darstellung der Frau als misslungener Mann. Die Narzisstin ist beneidenswert, selbstzufrieden, ähnlich einer distanzierten und selbstgenügsamen Katze. Übrigens hatte Adler mit der These vom "männlichen Protest" eine ähnlich negative Einschätzung der Frau, wie später Freud.

Als Lou Andreas-Salomé 1912 zum Studium der Psychoanalyse nach Wien kam, ging ihr der Ruf einer unerschrockenen, selbstsicheren Schriftstellerin voraus. Vor allem wird Andreas-Salomé als Freundin berühmter Persönlichkeiten gehandelt. Sie war eng bekannt oder befreundet mit Friedrich Nietzsche, Rainer-Maria Rilke, Gerhart Hauptmann und dem sozialistischen Politiker Georg Ledebour, dem Regisseur Max Reinhardt, Frank Wedekind, Marie von Ebner-Eschenbach, Arthur Schnitzler und vielen anderen. In den nächsten 25 Jahren hatte Andreas Salome die Rolle einer unentbehrlichen Helferin und Gesprächspartnerin für Freud inne. Sie half ihm bei der Analyse seiner Lieblingstochter Anna, wobei sie stärker von Spiritualität, Ganzheit und Sehnsucht erfüllt war, als Freud. Andreas-Salomé pries sich glücklich, eine Frau zu sein, und betrachtete - umgeben von lauter überragenden Männern - Frauen als das höherstehende und glücklichere Geschlecht. Sie war eine hervorragende, einfühlsame Psychologin. Sie hatte das Leben auf ihrer Seite, wie Rilke formulierte.

Die Psychoanalyse erschien ihr wie eine Weihnachtsbescherung, wie ein großartiges Spielzeug, mit dem sie sich in ihr eigenes Leben versenken konnte. Wenn Freud in dieser Zeit den weiblichen Narzissmus beschreibt, meint man Andreas-Salomé vor sich zu haben. Ein unabhängiges, selbstzufriedenes und beneidenswertes sowie schönes Wesen - und zwar beneidet vom Mann, weil er nicht in den ursprünglichen Narzissmus zurückkehren kann und damit zum Unglücklichsein verdammt ist. Obwohl sie einiges an seinen Schriften auszusetzen hatte, war Freud für Andreas-Salomé der große Lehrer, der rationalistische Erforscher des Irrationalen.

Ungefähr zehn Jahre nach ihrer ersten Begegnung mit Freud war Andreas-Salomé vielbeschäftigte Analytikerin, ohne je eine Ausbildung bei Freud oder einem seiner Schüler gemacht zu haben. Die Analysen machten sie glücklich. Sie sah in ihnen eine Beziehung, in der die Bedeutung und Würde des Einzelnen lebendig werden. Der Neurotiker ist existenzieller herausgefordert als der Gesunde. In ihren letzten Lebensjahrzehnten arbeitete sie viel psychoanalytisch, reiste nur noch wenig und lebte mit ihrem angetrauten Mann. "Es ist gleichgültig, welches Schicksal man hat, wenn man es nur wirklich lebt", hatte sie einst zu Anna Freud gesagt. Andreas-Salomé starb am 5. Februar 1937.

So umfassend, gerecht und "wahr" wie die vorhergehenden Kapitel ist auch das über Freuds jüngste Tochter Anna, die ihren Vater von allen Töchtern am meisten liebte und treu zu ihm hielt, die sein Sprachrohr wurde, ihn pflegte und sein Vermächtnis bewahrte, die in der Jugend meinte, dumm und unbeholfen zu sein, aber in der Erwachsenenzeit einen starken Charakter offenbarte. Freud hing an seiner jüngsten Tochter wie an seinen Zigarren. Anna, die ehelos blieb, füllte eine viel eindrucksvollere Rolle aus als die der Gattin, nämlich die der engsten Kollegin des Professors. Bei so einem Vater wäre es ein Abstieg, sich an einen geringeren Mann zu binden. Sie wurde Lehrerin und interessierte sich für die Erziehung gestörter und sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher - Anliegen, mit denen sie später Erfolg haben sollte. Dorothy Burlingham wurde Annas lebenslange Freundin und Partnerin, als Dorothy nach Wien kam, um ihre Kinder analysieren zu lassen. Mit den zwei Kindern von Dorothy trat Anna in die Rolle der Erziehenden ein. Die Burlinghams zogen in die Berggasse 19, wo Anna Freud, die nie selbst Mutter war, in der Rolle als Freundin und Familienhelferin brillierte. Finanziert von Dorothy wurde eine kleine Schule mit 20 Kindern eingerichtet, die fünf Jahre lang existierte.

Anna Freud leistete Großartiges für die Kinderpsychologie, stand aber in ständiger Konkurrenz zu Melanie Klein, die ihre jeweiligen, einseitigen Beobachtungen fast schon religiös verteidigten. Heute wissen wir, dass die Kleinsche Schule zumindest in einem Punkt Recht hatte: Das Kind hat von Anfang an differenzierte Beziehungen zur Mutter und ist nicht, wie Anna Freud meinte, in autoerotischer Lustbefriedigung verfangen.

Nach der Flucht aus Wien und der Ankunft in London zog Burlingham zu Anna nach Maresfield Gardens, und Anna eröffnete die mit amerikanischem Geld finanzierte Children's Rest Center-Klinik (auch Hampstead Nurseries genannt), die 30 Jahre lang ihre wichtigste Wirkungsstätte bis zu ihrem Tod wurde. Geschädigte Kinder aus den verschiedenen Milieus wurden behandelt und zugleich unterrichtet und eine Verbindung zwischen Kindertherapie und Familienleben geschaffen. Es kam ein Kindergarten hinzu, eine Krabbelkindergruppe und eine medizinisch-psychologische Mütterberatungsstelle. Dorothy leitete eine Abteilung für blinde Kinder. Anna wurde freier ihrem Vater gegenüber und schrieb, dass die kindliche Entwicklung nicht nach den Phasen der Triebentwicklung oral, anal, phallisch gesehen werden könne. Bei aller Verehrung für ihren Vater war sie doch nicht mehr der Meinung, dass die Psychoanalyse ein Allheilmittel sei.

Helene Deutsch, geboren 1884, wurde durch ihr Buch "Psychologie der Frau" bekannt, einem ersten umfassenden Überblick über die psychische-weibliche Entwicklung, die noch ganz im Banne der Freudschen Orthodoxie steht. Andererseits war sie nie wirklich der Psychoanalyse hörig. Als sie in der psychoanalytischen Bewegung als Ärztin wichtige Funktionen übernahm, achtete sie darauf, dass die analytische Methode nicht zu starr vermittelt wurde. Heilung war möglich, aber das beruhe nur zum geringsten Teil auf der Aufdeckung infantiler Libidofixierungen oder auf dem Übertragungsagieren. 1934 siedelte sie nach den USA um und war dort aktiv in der Bostoner psychoanalytischen Gesellschaft. Sie starb 98-jährig 1982.

Für die Beziehungen nach Frankreich war Marie Bonaparte zuständig, eine Urgroßnichte Kaiser Napoleons I., Gattin des Prinzen Georg von Griechenland und Erbin des riesigen, in Monte Carlo investierten Vermögens. 43-jährig fand sie sich auf Freuds Couch wieder, und sie leistete einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau der französischen Psychoanalyse und spielte eine wichtige Rolle in den ersten Debatten der französischen Psychoanalytiker. Bonaparte nahm das Kastriertenschicksal wörtlich, sie ließ sich mehrmals zwischen Klitoris und Vagina operieren, ohne das ihre sexuelle Empfindlichkeit gesteigert werden konnte. Wie viele andere Frauen in Freuds Umgebung, war Bonaparte eine starke Persönlichkeit, unabhängig und reich, die sich mit der einengenden Rolle einer Ehefrau nur schlecht abfinden konnte. Wiederholt rettete sie Freuds psychoanalytischen Verlag vor dem Untergang. Sie war eine loyale und äußerst großzügige Freundin. Wie erfolgreich ihre Analyse bei Freud war, ist wie immer schwer zu beurteilen.

Für die Verbreitung der analytischen Lehre in England waren zwei Frauen mit ihren Übersetzungen maßgeblich verantwortlich, Joan Riviere und Alix Strachey. Was ihre Leistungen, vor allem ihre Aufsätze und Bücher betrifft, waren sie keineswegs bloß farblose Gestalten, die im Schatten des großen Mannes standen, und sie waren keine passiven Opfer einer überwältigend magischen Autorität. Nicht alle hatten das Format einer Marie Bonaparte oder die klinischen Erfahrungen einer Helene Deutsch. Aber sowohl die Analytikerinnen Ruth Mack Brunswick, Jeanne Lampl de Groot und Kata Levy als auch Annas Freundinnen Eva Rosenfeld, Marianne Kris, Anny Rosenberg Katan, Dorothy Burlingham, Edith Jackson und Muriel Gardiner, die ebenfalls mehr oder weniger zu Freuds engerem Kreis gehörten, schließlich auch die amerikanische Schriftstellerin Hilda Doolittle zeichneten sich durch eine geistige Unabhängikeit und ein berufliches Engagement aus, wie es damals nur selten anzutreffen war. Trotz seiner konventionellen und abstoßenden Äußerungen über die Weiblichkeit bevorzugte Freud Frauen in seinen Freundschaften, die dem Frauenbild seiner Zeit kaum entsprachen.

Im 14. Kapitel "Freud und die Weiblichkeit: Theoretische Untersuchungen" geht es noch einmal um die Entwicklung der fixen Idee vom Penismangel als anatomisches Schicksal der Weiblichkeit. Diese Passagen Freuds sind schwer zu verdauen, sie wurden heftig kritisiert, und die Unterstützung dafür hielt sich immer zu Recht in Grenzen. Freud verstand es immer meisterhaft, psychoanalytische Debatten zu entfachen, selbst wenn ihre empirische Basis mehr als dünn war. Ihm wurde vorgeworfen, seine Theorie von der weiblichen Minderwertigkeit solle dazu dienen, der männlichen Neigung zur Herabsetzung und Unterdrückung des Weibes eine theoretische Rechtfertigung zu verschaffen. Ein weiteres Kapitel beleuchtet minutiös die Argumente Pro und Kontra, wobei nicht nur Melanie Klein noch einmal zum Zuge kommt, sondern auch die Einwände und Überlegungen männlicher Psychoanalytiker.

Das 16. und letzte Kapitel legt dar, wie vor allem der amerikanische Feminismus die Freudschen Thesen auseinanderpflückte und sie als die stärkste konterrevolutionäre Kraft in der Bewegung der Geschlechterpolitik einordnete. Einerseits schätzten die Feministinnen seine Kritik an der sozialen und sexuellen Unterdrückung der Frau, andererseits hielten sie jedoch seine Ansichten für abscheuliche Beispiele der tradierten patriarchalischen Frauenverachtung. Verwirrend ist bis heute, dass Freund meist dann den größten Einfluss ausübte, wenn er am heftigsten geschmäht und seine Theorien erbittert bekämpft wurden. Das gilt heute noch.

Es gibt kein besseres Buch über das Thema Weiblichkeit und Psychoanalyse als dieses. Es ist herausragend recherchiert, wunderbar klar geschrieben und in einer Ausführlichkeit, dass es sich für ein Nachschlagwerk eignet, auf das man immer wird zurückgreifen können.


Dr. Gerald Mackenthun, Berlin Juli 2001

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