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Alan Fogel: Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie. Vom Körpergefühl zur Kognition, übersetzt und bearbeitet von Helmi Boese, Schattauer, Stuttgart 2013, 365 Seiten, 49,99 €


Die tief in das unbewusste Erleben und Leben eingegangene Aufspaltung des menschlichen Organismus in Körper, Seele und Geist geht nach allgemeiner Auffassung auf Renè Descartes zurück (Damasio: Descarte's Irrtum, Berlin 2005), der so den Körper der Kirche entriss und der medizinischen Forschung zugänglich machte. Diese Spaltung zeitigt jedoch mehr und mehr negative Folgen, da der Körper inzwischen zum Ding herabgesunken, geradezu zum „Arbeitsleib“ verkümmert ist. Die Wiedergewinnung des Verständnisses einer ganzheitlichen Betrachtung der menschlichen Existenz ist bereits in der sogenannten psychosomatischen Medizin versucht worden und nur unvollständig gelungen. Fogel liefert einen Beitrag zu dieser Problematik, indem er das inzwischen angesammelte Wissen aus der neurobiologischen Hirnforschung zusammenträgt und die seelisch-geistigen mit den körperlichen Funktionen in einem ganzheitlichen Verständnis zusammenführt.

Fogel begegnete in den USA Marion Rosen, die durch Körperberührungen Muskelverspannungen löste und so die Patienten zur Mitteilung ihrer Gefühle anregte. Ursprünglich Krankengymnastin war sie erstaunt darüber, was ihr Patienten alles erzählten. Sie baute dies zu einer Methode aus, die sie dann auch anderen vermittelte. Einer von ihnen war Alan Fogel, der Professor für Psychologie an der Universität von Utah in Salt Lake City ist. Im vorliegenden Text legt er die neurophysiologischen Prozesse dar, welche die Wirksamkeit körpertherapeutischer Interventionen - hier speziell der Rosen-Methode - belegen. Dies ist nicht nur hinsichtlich der Akzeptanz körpertherapeutischer Verfahren von Seiten der Krankenkassen von Interesse, sondern grundsätzlich für das Verständnis des gesamtorganismischen Zusammenwirkens von Geist und Körper.

Nach wie vor krankt das medizinische und psychologische Denken daran, den Organismus in einzelne Kompartimente aufzugliedern. Es fehlt uns das „differenzierte Verständnis, dass kein Teil unseres Körpers richtig funktionieren kann, ohne über die verkörperte Selbstwahrnehmung und das Gehirn Verbindungen zu anderen Teilen des Körpers zu erreichen oder aufrechtzuerhalten“ (S. XII). Dies wirkt sich z.B. nachteilig auf die Genesung nach chirurgischem Eingriff aus. Es bleiben Irritationen etwa in Gestalt von Schmerzen ohne organischen Befund, die dann lediglich medikamentös oder gar mit Durchtrennungen von Nervenleitungen beantwortet werden. Dies entspricht einem funktional mechanistischen Verständnis mit all seinen gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen im Umgang mit dem Lebendigen schlechthin.

Der lebendige Organismus ist besser als ein dynamisches System zu begreifen, dass wir uns als einen sich entwickelnden Prozess vorstellen müssen, und „nicht als ein Gebilde von Zellen und Organen“ (S. 38). Diese hier kritisierte Sichtweise haftet auch der Betrachtungsweise der Neurowissenschaftler an, die mit den aus bildgebenden Verfahren gewonnenen Darstellungen leuchtender Flecken suggerieren, es ließen sich tatsächlich bestimmte Hirnareale identifizieren, die für die Lösung bestimmter Aufgaben zuständig seien. Dies leistet der Annahme Vorschub, bestimmte Areale seien wichtiger als andere und unterstellt, unser Gehirn sei Ausgangspunkt und Quelle der Körperkontrolle. Tatsächlich handelt es sich um ein äußerst komplexes Zusammenspiel zwischen Gehirn, Körper und Umwelt. Und dass wir im MRT wirklich erfassen, was im Gehirn geschieht, ist seit der Heisenbergschen Unschärferelation immerhin zu bezweifeln, bewegen wir uns doch im mikrokosmischen Bereich.

Fogel kann z.B. deutlich machen, dass die „verkörperte Wahrnehmung interozeptiver Gefühle“ nicht im orbitofrontalen Kortex oder in der Insula „sitzt“. „Eher entwickelt sich die Wahrnehmung als Phänomen eines gesamten Systems, als eine Konsequenz der Koaktivierung quer durch diese und andere Regionen des Gehirns und Körpers im interozeptiven Netzwerk“ (S. 53, H.i.O.).

Fogel leistet hier einen wichtigen Beitrag, das seit Wilhelm Reich in der Körperpsychotherapie angesammelte Wissen mit dem der Neurophysiologie und Traumaforschung zusammen zu führen, womit er einen interessanten Ansatz zur Aufhebung der Parzellierung verkörperter menschlicher Existenz liefert. Der Mensch wird wieder zur leiblichen Existenz, bekommt den vergessenen Leib als beseelten oder begeisteten Körper zurück.

Bernd Kuck      
Mai 2015

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