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Deutschkron, Inge: Ich trug den gelben Stern, dtv, 1985 (1978), 198 S.


In diesem autobiographischen Bericht schildert Inge Deutschkron, wie sie und ihre Familie als Juden während der Nazi-Herrschaft 1933 bis 1945 im Untergrund in Berlin überlebten. Dieser Bericht ist als Theaterstück mit dem Titel „Ab heute heißt du Sarah“ bekannt geworden.

Im Januar 1933 kam Hitler an die Macht. Seit dieser Zeit wurden in Deutschland die Juden in der Öffentlichkeit schikaniert. Inge Deutschkron, 11 Jahre alt, die Tochter von Ella und Martin Deutschkron, erinnert sich an diese Zeit: Sie ist völlig unbefangen und möchte, wie die andern Kinder zum Spielplatz gehen, um dort zu spielen. Sie merkt jedoch bald, das das nicht geht. Die ängstliche Mutter verbietet ihr das und erklärt ihr den Grund. Inge kann das nicht nachvollziehen und erwidert: „Wir sind doch Deutsche!“

1938 tritt ein neues Gesetz in Kraft, dass alle Juden neue Ausweise bekommen müssen. Auf dem Polizeirevier werden ihnen die Fingerabdrücke abgenommen. Sie erhalten neue, jüdische Vornamen und den Buchstaben „J“ in den Ausweis gestempelt. Inge heißt von nun an Inge Sarah Deutschkron. Grund für diese Maßnahme: Juden sollen erkenntlich sein.

Am 9. November beginnt das „Judenpogrom“. Von nun an werden Juden verhaftet, ihre Geschäfte zerstört und ihre Synagogen in Brand gesetzt. Gestapo-Männer klingeln bei Familie Deutschkron und wollen Martin Deutschkron mitnehmen. Zum Glück ist er nicht zu Hause. Anfang 1939 gelingt Martin Deutschkron die Ausreise aus Deutschland. Seine Cousine in England besorgt ihm ein Visum. Seine Frau und seine Tochter dürfen nicht mitreisen. Es ist sehr schwer, Deutschland zu verlassen. Kein Land nimmt Juden auf.

Mutter und Tochter mussten ihre Wohnung in der Hufelandstraße aufgeben und ihre Möbel verkaufen. Beim Verkauf der Möbel sind sie von den Käufern erpresst worden. Die wertvollen Möbel wurden für wenig Geld abgegeben. Frau Deutschkron verbittert: „Dafür haben wir 20 Jahre gearbeitet“. Inge bewohnt mit ihrer Mutter ein möbliertes Zimmer.

Für Mutter und Tochter wird der Überlebenskampf in der judenfeindlichen Umwelt immer schwieriger. Es gibt jedoch unter der deutschen Bevölkerung mutige Menschen, die den Juden helfen. Zum Beispiel Herr Weidt, der Besitzer einer kleinen Besenfabrik, beschäftigt einige Juden. Auch Inge arbeitet bei ihm im Büro.

1941 müssen alle Juden einen Judenstern auf ihren Kleidern anbringen. Wenn sie öffentliche Verkehrmittel benutzen, dürfen sie sich nicht hinsetzen, sondern müssen stehen. In ganz Deutschland werden Juden verhaftet und in Richtung Osten abtransportiert. In Berlin werden die Listen der zu Verhaftenden von der Jüdischen Gemeinde erstellt. Ein junger jüdischer Mann, Hans, ist für die Erstellung dieser Listen verantwortlich. Hans und Inge lernen sich im Büro von Herrn Weidt kennen und verlieben sich ineinander. Er ist es, der ihr Leben rettet. Ihr Name stand auf der Liste. Hans bewirkte, dass ihr Name gestrichen wurde.

Mutter und Tochter wohnen im „Judenhaus“: 7 Mietparteien in einer 5 ½ Zimmerwohnung. Das Leben in diesem Haus ist unerträglich. Beide finden Helfer, die sie zu sich nehmen und in ihren Wohnungen verstecken. Herr Weidt besorgt Inge einen gefälschten Ausweis. Sie hat nun einen anderen Namen und ist nicht mehr Jüdin, sondern Deutsche. Inge muss trotzdem sehr vorsichtig sein. Die Gestapo ist überall und sucht junge Frauen, die in Waffenfabriken eingesetzt werden.

Inge und ihre Mutter sind gezwungen, ihr Versteck immer wieder zu wechseln. Sie finden zahlreiche Helfer, die sie bei sich aufnehmen. Inzwischen wird die Stadt bombardiert. Wenn die Sirenen heulen, müssen alle Bewohner entweder in die Keller gehen oder in die Bunker. Die Häuser in der Stadt werden nach und nach zerstört. Die Menschen sind gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen. Sie finden eine Bleibe in Sammelunterkünften. Es herrscht Chaos. Inge und ihre Mutter nutzen die chaotische Situation, verlassen ihr Versteck und gehen zum Görlitzer Bahnhof, wo eine solche Sammelstelle eingerichtet ist. Dort bekommen die Flüchtlinge zu essen und außerdem neue Papiere, falls diese abhanden gekommen sind. Inge und ihre Mutter geben an, dass ihre Wohnung in Guben zerbombt wurde. Außerdem seien ihre Papiere gestohlen worden. Sie erhalten neue Papiere, wobei sie nicht ihren richtigen Namen angeben.

Im Mai 1945 ist der Krieg zu Ende. Deutschland hat den Krieg verloren. Die Armeen der Alliierten stehen vor den Toren der Stadt. Inge und ihre Mutter haben die schreckliche Zeit überlebt und sind wohlauf. Inge taucht in Herrn Weidts Büro auf. Herr Weidt ist anwesend und brüllt freudestrahlend: „Ist das die Möglichkeit. Du lebst“. Inge erkundigt sich danach, ob Hans noch am Leben ist. Herr Weidt: „Er lebt bestimmt noch. Unkraut vergeht nicht“.

Dipl.-Psychologe Dr. Najib Arabu, Berlin Okt. 2002

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Ich trug den gelben Stern

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