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Noëlle Châtelet: Mit dem Kopf zuerst. Roman. Übersetzung aus dem Französischen von Uli Wittmann. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, 157 Seiten


Noëlle Châtelet ist mit ihrem Roman, „Die Dame in Blau“ bei uns bekannt geworden. Ihren wunderbaren Stil hat sie auch im vorliegenden Text beibehalten, der uns durch die gefühlvolle Übersetzung von Uli Wittmann nahe gebracht, dem nur des Deutschen mächtigen Leser somit zugänglich wird.

Dabei sind die Romane von Frau Châtelet zugleich phänomenologische Beschreibungen der Innenwelt ihrer Protagonisten, die sie für den Psychologen so wertvoll machen. Es gelingt ihr selbst bei dem tabuisierten Thema der Mehrgeschlechtlichkeit - hier des sogenannten echten Hermaphroditen – in einfühlsamer Weise die Nöte eines Menschen erlebbar und nachvollziehbar zu machen, dessen biologische Geschlechtsidentität nicht eindeutig ist. Unverständnis und Verständnis der Umgebung, unfreiwillige Komik und ärztliche Ignoranz, finden durch Frau Châtelet Worte, die sie so auszubalancieren versteht, dass Not und Hilflosigkeit der Protagonisten transparent werden.

Nie wird der Leser zum Voyeur, nie wird Denise/Paul zur Jahrmarktsattraktion oder modern: pornographischer Lüsternheit (wie etwa im Internet) – freigegeben. Dem, „der mir ein wenig aus seinem Leben erzählt hat, dass so ausgesehen haben könnte“, hat sie ein Denkmal gesetzt und bei allen „Normalen“ für das Verständnis des Anderen eine Lanze gebrochen.

Bernd Kuck, Bonn    
Januar 2007

 

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