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Callahan, Daniel: Nachdenken über den Tod, Kösel-Verlag, München 1998, 300 S.


Ein beeindruckendes Buch, das in der Lage ist, den eigenen medizinischen Horizont zu erweitern! Das Thema Tod kommt in den meisten wissenschaftlichen Lehrbüchern der Medizin nicht vor oder wird nur kurz gestreift. Das unterschwellige Ziel ist stets, Krankheit zu bekämpfen und den Tod zu besiegen. Tod wird immer noch als medizinischer Fehler eingeschätzt und allzu selten als unvermeidliches biologisches Resultat im Leben gesehen.
Das Buch beginnt nicht mit theoretischen Überlegungen zum Tod, sondern mit Praxisbeispielen. Es wird in seinen natürlichen Schilderungen und mit seiner unvoreingenommenen Umgangsweise mit dem Thema Tod immer spannender. Es verleitet zum Weiterlesen und zum Nachdenken.
Der Tod ist eines der letzten Tabuthemen im Leben, welches die meisten Patienten verdrängen und die meisten Mediziner bekämpfen. Mediziner beachten oft zu wenig, daß die übermäßige Anwendung medizinischer Technologie einem Menschen eher schadet, als nützt. D. Callahan nennt dies "das technologische Spiel mit dem Feuer", das auf der Illusion beruht, Krankheit und Tod ausrotten zu können.
Dem Autor ist es gelungen, den Tod (neben dem Leben) als zweites natürlichstes Vorkommnis in der Welt und im menschlichen Dasein zu schildern. Diese Sichtweise wird evident, wenn die Betroffenen das Leben und den Tod als integrale Bestandteile der Natur begreifen lernen. Das impliziert u. a.: wenn sich die Gesundheit eines Menschen nicht mehr fördern läßt, soll sich die Sorge des Mediziners und der Mitmenschen dem möglichst friedvollen Sterben zuwenden.
Wenn der Tod nahe ist, muß man sich nicht unbedingt für lebensrettende Maßnahmen entscheiden. Mediziner erleben den Tod eines Patienten oft als persönliches Versagen, welches unbedingt zu verhindern ist. Dem liegt die Ideologie zugrunde, Herr und Meister über Leben und Tod zu sein. Die Möglichkeit des Menschen, in die Abläufe von Leben und Tod einzugreifen, führt zu Machtphantasien und auf der anderen Seite zu Frustrationserlebnissen bei Mißerfolgen. Anstatt untergründig den Tod zum Feind zu erklären und gegen ihn zu kämpfen, gilt es, zu einem sensiblen und sinnvollen Verständnis zu gelangen.
D. Callahan zeigt anhand von Beispielen, auf welch natürliche Art und Weise Menschen sich dem Thema Tod zuwenden können, wenn sie den Körper wie den Menschen als Teil der Natur erkennen.
Mensch und Natur sind je nach weltanschaulichem Standpunkt existentiell oder transzendental begründet. So diskutiert der bekannte amerikanische Experte zu ethischen Fragen in der Medizin auch die religiöse Dimension des Themas mit der Frage des Lebens nach dem Tod.
Ein interessantes und lebensbereicherndes Buch erwartet den Leser.

Dipl.-Psych. Helmut Brenner, Bad Salzuflen

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