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Albom, Mitch (2002): Dienstags bei Morrie. Die Lehre eines Lebens. Goldmann Verlag, München 2002


Zufällig zappt der Autor des Buches durch die Fernsehkanäle und trifft auf eine Show - in Amerika wird anscheinend aus allem eine Show gemacht -, in der sein ehemaliger verehrter Lehrer zu sehen und zu hören ist, wie er über seine tödliche Krankheit spricht. Albom beschließt, seinen ehemaligen Lehrer zu besuchen, um ihm Beistand zu leisten.

Es handelt sich um ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, eine Erkrankung des motorischen Nervensystems, bei der es zu einer Degeneration der Motoneurone kommt, was symptomatisch zum Ausfall der Muskulatur führt, von den Beinen aufsteigend, wobei der Tod schließlich durch Ersticken, aufgrund der Lähmung der Atmung, eintritt.

Es ist dann Albom, der noch einmal in die Lehre geht, da Morrie ihm in dreizehn Dienstagsgesprächen deutlich macht, worauf es im Leben wirklich ankommt. Er bekundet eine philosophischen Haltung, die von materiellen Werten unbeeindruckt sich zwischenmenschlicher Begegnung verschreibt. So verbringt denn Morrie seine letzten Lebenswochen damit, mit vielen Menschen zu sprechen, den lebendigen und gefühlsgetragenen Kontakt zu ihnen herzustellen. Mit Albom geht er die wichtigen Themen des Lebens durch, die Stellung des Menschen in der Welt, die Gefühle, über Leben und Tod, wobei die Ängste des Sterbenden nicht verleugnet werden, er von ihnen dadurch auch nicht überwältigt wird.

Morrie kommt ohne religiöse Illusionen aus, ist vielmehr im eigentlichen Sinne des Wortes "religiös", als er sich rückgebunden fühlt, d.h. verbunden mit allem Lebenden und besonders mit den Menschen. Dazu gehört eine Präsenz im Augenblick, die der heutige Mensch kaum noch kennt, scheint doch das Ideal im Multitasking zu liegen. Es wundert dann auch nicht mehr, dass Morrie die Liebe zum Mitmenschen, als Ausdruck des Respekts und der Wertschätzung wirklicher Begegnung, zum wichtigsten Wert der Existenz wird. Als Leser sind wir beeindruckt und spüren die Aufforderung, von dieser Haltung schon etwas im eigenen Leben zu verwirklichen, ohne erst durch die Krankheit zu dieser Weisheit zu gelangen.


Bonn, August 2012
Dipl.-Psych. B.Kuck 

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Dienstags bei Morry

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