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Stroeken, Harry : Freud und seine Patienten, Frankfurt 1992, Fischer TB, 149 Seiten, 16,80 DM

Der in den Niederlanden praktizierende Psychoanalytiker schildert sehr anschaulich und flüssig, was bislang über Freuds Patienten bekannt ist. Dem vorliegenden Buch gingen drei Auflagen im niederländischen Original voraus, ehe es nunmehr in deutscher Übersetzung vorliegt.

Bevor sich Stroeken den einzelnen Fällen zuwendet, schildert er das psychoanalytische Setting. Freud hielt sich nicht lange mit Fragen der Indikationsstellung auf, suchte lediglich zu klären, ob der Patient nicht psychotisch war. 1910 war Freud bereits so bekannt, daß er deutlich seine Bedingungen nannte, wozu die Beachtung der Grundregel gehörte, wie auch die Absprache über Honorar und Zeit usw. Im Jahre 1912 verlangte Freud ein Honorar von 50 Kronen pro Stunde, was nur begüterte Analysanden zahlen konnten. Ein qualifizierter Arbeiter hätte damals einen ganzen Wochenlohn für eine Sitzung aufwenden müssen. So erfahren wir denn auch, daß van Renterghem lieber zu C.G. Jung ging, der nur die Hälfte verlangte.

Fast liebevoll schildert Stroeken im weiteren Verlauf die Fälle aus den "Studien über Hysterie", Dora, den Fall des "kleinen Hans", die Krankengeschichten vom Rattenmann und vom Wolfsmann. Das kleine informative Buch schließt mit Überlegungen zum Fehlen der Mütter in den Krankengeschichten. So fällt immerhin auf, daß Freud zwar in seinen Notizen vom Rattenmann sehrwohl die Mutter aufführt, sie letztlich aber in der Falldarstellung fast keine Rolle spielt. Stroeken meint nun, daß der Vater in Freuds Theorie nicht nur aufgrund der patriarchalischen Verhältnisse der Zeit eine größere Rolle spielte, sondern auch weil Freud mit einer nicht ganz gelungenen männlichen Identifikation zu ringen hatte.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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Freud und seine Patienten



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