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Nuland, Sherwin B. : Wie wir sterben. Ein Ende in Würde? Knauer Taschenbuch, München 1996


Tod und Sterben entfalten sich auch in unseren Breiten zu einem ähnlich großen Tabuthema wie in den USA. Viele Menschen wünschen sich einen plötzlichen Tod, ein nur kurzes Sterben. Das läßt darauf schließen, daß es nicht der Normalfall ist, friedlich und mit wenig Qual vom Leben zum Tod zu wechseln. Nuland beschreibt unsentimental, aber nicht ohne Gefühl, aus eigener Anschauung, wie wir sterben. Nuland ist Chirurg in den USA, weiß also wovon er spricht, lebt er doch in einem Land, in dem die hochtechnisierte Medizin Triumphe feiert und die Verleugnung von Sterben und Tod teilweise groteske Formen angenommen hat. Er weiß aber auch wovon er spricht, weil sein Beruf ihn mit der Hybris der Allmacht und mit der Allgegenwart des Sterbens konfrontiert. Und er weicht der Konfrontation nicht aus, läßt seine eigene Betroffenheit zu, plädiert also für ein Sterben in Würde, weil Sterben in Würde real so selten ist und, so es möglich wäre, die technisch hochgezüchtete Medizin es verhindert.
Immer ist die innere Beteiligung des Autors zu spüren, auch dann noch, wenn das Sterben an den häufigsten Krankheiten der westlichen Welt medizinisch, sachlich geschildert wird. Besonders nah ist einem der Autor, wenn er seine eigene Konflikthaftigkeit schildert. Seine eigentlich „unsinnige“ Handlungsweise angesichts der tödlichen Erkrankung seines Bruders; sein Triumph, eine über achtzigjährige todkranke Patientin zur Operation überredet zu haben, ihre bitteren Vorwürfe, als sie sich in falscher Hoffnung getäuscht sah, seine Beschämung und seine Zweifel, ob er nicht in ähnlicher Situation - trotz besseren Wissens - wieder so handeln würde. Nicht zuletzt bei seiner spürbaren Empörung, daß auf dem Totenschein von den Ärzten eine Todesursache benannt werden muß, die auch da auf pathologische Begrifflichkeiten abstellt, wo es sich um den verdrängten natürlichen Tod handelt.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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