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Rattner, Josef : Psychotherapie und Psychohygiene im Geiste Alfred Adlers. Ein Lehr- und Lesebuch. Band 10/11 des Jahrbuch für Verstehende Tiefenpsychologie und Kulturanalyse, Berlin 1990/91, 335 Seiten, 39,80 DM


Rattner legt einen weiteren Band seines "Jahrbuches" vor, das nunmehr seit 1980 in Einzel- oder Doppelbänden erscheint. Der neue Band befaßt sich mit den Themen "Partnerschaft, Psychosomatik, Psychotherapie, Erziehung" (letzteres ein Interview mit dem Autor des Bandes), sowie mit dem Themenkomplex "Schule und Lehrer". Die Kapitel sind in aphorismusähnlicher Form abgefaßt und dienen als Grundlage für die Theoriegespräche im Rahmen der von Rattner in Deutschland eingeführten und praktizierten Großgruppenpsychotherapie.
Der Nachsatz, "im Geiste Alfred Adlers", verspricht nicht zuviel. Bekanntlich ist Adler der einzige Tiefenpsychologe unter den Pionieren, der dem pädagogischen Gedanken nicht ablehnend gegenüberstand. Schon um 1920 führte er öffentliche Beratungen durch, die durch Aufklärung und Verstehensarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Neurosenprophylaxe leisteten. Diesem Anliegen der Prophylaxe und Psychohygiene fühlt sich Rattner verpflichtet, wie aus seinen zahlreichen Veröffentlichungen deutlich wird.
Im vorliegenden Band finden sich eine Fülle schlichter und doch tiefsinniger Bemerkungen zu den oben genannten Themen. Man kann sie als Quintessens von mehr als 20 Jahren Großgruppentherapie lesen.
Wenn Rattner sich profund zu allen möglichen Aspekten äußert ("Affekte in Partnerschaften", das Wesen von Angst und Aggression, "Was ist eigentlich Sexualität?", "Zehn Gebote für eine gute Partnerschaft", "Krankheit als Weltverlust", "Der geistige Hintergrund des Psychotherapeuten", "Man muß den Patienten erfinden, um ihn zu entdecken", Typologie schrieriger Lehrer" u.v.a., immerhin über 200 kurze Texte), so beherzigt er eine Maxime Pestalozzis: "Alles Lernen ist keinen Heller wert, wenn Mut und Freude dabei verloren gehen." So möchte der Rezensent dem Leser vergnügliche Belehrung verheißen, wie er sie selbst bei der Lektüre empfand.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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