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Gowdy, Barbara: Der weiße Knochen, Roman, Fischer TB, Frankfurt/M 1999

Wie sieht die Welt der Elefanten in Afrika aus? Barbara Gowdy bringt das Kunststück fertig, uns in diese Welt einzuführen. Sie geht gleichsam den umgekehrten Weg: nicht die Anthropomorphisierung der Welt der Elefanten, sondern der Versuch, die Welt dieser Tiere mittels menschlicher Sprache auszudrücken. Die Anleihe an die menschliche Welt besteht darin, daß ihnen eine Mythologie unterlegt wird, was sie denn menschlicher macht, fast bin ich gewillt zu sagen: humaner, sind es doch die Menschen, die diese großartigen Tiere wegen kurzfristiger Interessen abschlachten. Zufall oder Absicht? Die Mythologie trägt nicht weit. Zwar gelangen letztlich ein paar Elefanten ins gelobte Land, in dem es kein Abschlachten mehr gibt. Aber die Zeichen trügen oder sind doch vieldeutig, so dass in dem Roman der Elefanten selbst Skeptiker zu finden sind.
Verschwiegen werden soll nicht, daß der Roman einige Längen aufweist. Zumindest schien es mir, daß der Hauptgedanke genügend Stoff für eine Erzählung gegeben hätte; aber für einen Roman? Nun, Frau Gowdy hat aber scheints alles an wichtiger Literatur zum Thema Elefanten gelesen und versteht es, uns in deren Welt einzuführen. Das macht den Roman für den Psychologen so interessant, kommt die Aufgabe doch sehr der Bemühung um die letztlich fremde Welt eines anderen Menschen nahe. Auch hier gilt es, die Weltanschauung des anderen tiefgründig zu erfassen, will man ihn wirklich verstehen. Frau Gowdy hat schon in einem früheren Roman (Mister Sandman) ihre Einfühlungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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Der weiße Knochen.


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