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Friesendorf Ingeborg ,: Die erste Frau in meinem Leben, 200 Seiten, München 1989, Heyne Taschenbuch

Wie denken Söhne über ihre Mütter? Welche Rolle spielen sie im Leben der erwachsenen Männer?
Wer bisher geglaubt hat, daß die Bindung der Söhne an ihre Mütter weniger eng ist, als die der Töchter, der wird hier eines Besseren belehrt. Was dem Psychologen selbstverständlich sein sollte, was Sigmund Freud als Ödipuskomplex beschrieben hat, hier ist es in erstaunlich offenen Äußerungen von Männer dokumentiert: Das Verhältnis des Sohnes zu seiner Mutter ist auschlaggebend für seine Beziehung zu den Frauen überhaupt. Dabei ist erfreulich, wie offen die Männer über ihre Gefühle den Müttern gegenüber sprechen, selbst wenn Frau Friesendorf darauf hinweist, daß es nicht immer leicht war, die Männer zu dieser Offenheit zu ermuntern. Immer noch schließen sie ihre Gefühle hinter einem Panzer von Unnahbarkeit und Oberfläche ab. Aber es ist möglich, mehr von ihnen zu erfahren, wenn nur genügend Geduld aufgewandt wird.

Gleichwohl sind es nur wenige Stimmen, die positiv von ihrer Mutter zu sprechen wissen. Da ist viel Haß und Anschuldigung. Allzuoft werden die Mütter für die Fehlentwicklung der heutigen Männer veranwortlich gemacht - woran die Psychoanalyse nicht unschuldig ist. Nur in Nebensätzen wird deutlich, daß ihnen die Erziehungsaufgabe auch allein überlassen blieb, daß sie in ihren Männern kaum Unterstützung hatten. Diese kurzen Beschreibungen zeigen uns das Ergebnis der "vaterlosen Gesellschaft" (A. Mitscherlich) und sie zeigen uns, wie groß die Unkenntnis in den Fragen der zwischenmenschlichen Beziehungen immer noch ist. Auch wird deutlich, daß es noch nicht zu einem wirklich partnerschaftlichen Verhältnis zwischen den Geschlechtern gereicht hat. Das wundert nicht, schließlich sind es gerade erst 20 Jahre, seit die Emanzipation der Geschlechter wirklich Thema geworden ist.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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