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Friebel, Volker: Morbus Crohn. Psyche einer Krankheit, Verlag für Angewandte Psychologie Göttingen 1995

Diese entzündliche Erkrankung des Verdauungstraktes ist nach wie vor äußerst rätselhaft. Es werden genetische Belastung, Immundefekt, Streß sowie psychosomatische Einflüsse diskutiert. Gelöst ist das Rätsel durchaus nicht, wenngleich von medizinischer Seite die Krankheit zumindest symptomatisch behandelt werden kann. Von Heilung kann jedoch nicht gesprochen werden und nicht selten gehört zur symptomatischen Behandlung der chirurgische Eingriff.

Wie bei anderen Erkrankungen auch, die hinsichtlich ihres psychosomatischen Aspektes unstrittiger sind, ist die sogenannte typische Persönlichkeitsstörung als Voraussetzung oder Begleitumstand des Morbus Crohn längst aus der Diskussion verschwunden. Psychische Anteile wie Angst und Depression werden heute mehr als Folgeerscheinungen der Erkrankung aufgefaßt, denn als deren ursächliche Bedingung. In der Remission wirken sich Angst und Depression jedoch deutlich negativ aus. Gerade hier wirken sich die psychotherapeutischen Ansätze segensreich aus. Der Autor ist

Im vorliegenden Text nimmt die Darstellung der medizinischen Aspekte der Krankheit breiten Raum ein. Sehr gründlich und nachvollziehbar werden die körperlichen Abläufe geschildert. Von psychologischer Seite widmet sich der Autor vorrangig dem Streßkonzept, welches seiner Ansicht nach krankheitsnäher sei als Persönlichkeitskonzepte. Gleichwohl merkt er kritisch an, daß es sehr wohl von der Persönlichkeit abhängt, was ein Mensch als Streß empfindet. Immerhin wissen wir, daß Streß deutlich einen Einfluß auf die Darmtätigkeit hat (Transitzeit, Durchblutung, Sekretion, Darmbewegung, kleine Geschwüre), wenngleich nicht sicher gesagt werden kann, ob hier ein Einfluß auf Entwicklung und Verlauf chronischer Entzündungen gegeben ist. Ähnliches läßt sich zur Frage der Immunschwäche sagen, die ebenfalls mit psychischen Einflüssen verbunden ist. Psychotherapeutisch wirken Streßverminderung und Entspannungsübungen, zumindest was die Remission und die Länge symptomfreier Intervalle betrifft.

Wir wissen also noch nicht, was die Krankheit verursacht, auch nicht, wie ihr heilend beizukommen ist. Aber das ist im vorliegenden Text sehr genau und umfänglich informierend dargestellt.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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