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Frankl, Viktor E. : Der unbewußte Gott., 4. Aufl. Taschenbuchausgabe nach der 7. Aufl. 1988, München 1997


Schon früh fand Frankl seine Nähe zur Religiosität und dies mag wohl ein weiterer Grund für die enorme Popularität des Autors sein. Der Schöpfer der „Logotherapie“, der diese gerne - wohl auch etwas übertrieben - als die „dritte Wiener Richtung“ ausgibt, hat sicher praktisch Wertvolles in der Psychotherapie geleistet. Was er aber hier vorlegt ist der tollste Fall in die Reaktion. Ohne jegliche Gesellschafts- und Kulturkritik macht er sich auf, dem Menschen das Wesensmerkmal des Religiösen zu oktroyieren. Dazu verwendet er Begrifflichkeiten aus der Ontologie, was sich sehr gelehrt anhört, dadurch aber auch nicht wahrer wird. Frankl geht weit hinter das zurück, was die Tiefenpsychologie bislang hervorgebracht hat. So glaubt er etwa Freuds Erkenntnis, die Religion sei eine kollektive Zwangsneurose, dahingehend ummodeln zu müssen, daß „die Zwangneurose [ist] die seelisch erkrankte Religiosität“ sei. Ja und ebenso ergeht es der sich, nach Freud, in der Religion ausdrückenden Vatersehnsucht: das Urbild ist nicht der biographische Vater, sondern Gottvater, den ja nun mal jeder Mensch als unbewußte Gottheit in sich trage. Der leibliche Vater verkommt hier zur Imago eines übernatürlichen Schöpfers. Auch hier eine enorme Ignoranz der Kulturgeschichte gegenüber, in der dem Monotheismus immerhin der Polytheismus vorausging.
Tja, und Sartres „Entwurf“, den er dem „Geworfensein“ entgegensetzt wird hier in drei Sätzen zu einer Hybris, da der Mensch schließlich nichts wird, ohne das Vorbild aus einer „wesentlich außermenschlichen Region“. Sartres Philosophie wird hier mal eben als „Ontologisierung der psychoanalytischen Überich-Theorie“ abgetan.
Schließlich hat den Autor wohl doch noch die Angst geplagt, er könnte die Psychotherapie in den Strudel der Mystik bringen, wenn er dann noch schnell nachschiebt, daß die Psychotherapie als Wissenschaft sich natürlich nicht in den Dienst der Theologie stellen dürfe.
Neben endlosen Wiederholungen, die dem Leser wohl den „Willen zum Sinn“ des Autors einpauken sollen, ein grausiges Stück Hinterwelt, von dessen existenzialmystischem Geraune man sich mit Scham abwendet.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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