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Frankl, Viktor E.: Was nicht in meinen Büchern steht - Lebenserinnerungen, 113 Seiten, Quintessenz Verlag München 1995

Der Begründer der Logotherapie faßt hier noch einmal assoziativ zusammen, was ihm aus seinem Leben wichtig erscheint. Der Titel ist allerdings irreführend, faßt Frankl doch nur zusammen, was in seinen Büchern oder seiner Selbstdarstellung (Pongratz, Psychotherapie in Selbstdarstellungen, 1973) verstreut enthalten ist.
Ohne schmälern zu wollen, was Frankl in seinem Leben geleistet hat, so mutet seine Selbstdarstellung doch über weite Teile peinlich an. Selbstdarstellung ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn darum geht es vorrangig. Er ist des Lobes voll - über sich. Wenn Frankl weltweite Anerkennung genoß - er ist 1997 im Alter von 92 Jahren verstorben -, so ist dies vermutlich nicht auf seine revolutionäre Therorie zurückzuführen, sondern auf seinen Konservatismus und seine religiöse Haltung. Zweifelhaft ist auch, ob er tatsächlich eine „dritte Schule“, neben Psychoanalyse und Individualpsychologie, geschaffen hat oder nur ein Konglomerat aus dem Vorhandenen, untermischt mit Theologie und Existenzphilosophie, mehr erstere als letztere. Sowas kommt immer gut an. Die wesentlichen Beiträge beschränken sich vermutlich auf die Paradoxe Intention und die Technik des gemeinsamen Nenners, sowie die niedergelegten Erfahrungen seiner Konzentrationslagerhaft. Ansonsten war er sicher ein unermüdlicher Propagandist seiner Lehre. Wenn er es auch nicht gerne hörte, so sind seine Beiträge zur Psychotherapie „Adlerian psychology at its best“.
Warum nun diese peinlich anmutende Selbstbespiegelung? Ob Frankl schon vor der Internierung so über seine Leistungen des Lobes voll war, vermag ich nicht zu beurteilen. Es scheint mir jedoch sehr wahrscheinlich, daß er unter heftigsten Schuldgefühlen litt, wie dies für viele Überlebende charakteristisch ist. Er mußte vermutlich beweisen, daß sein Überleben gerechtfertigt ist, was sicherlich niemand ernsthaft in Frage stellen wird.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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