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Federn, E./ Wittenberger, G. (Hg.): Aus dem Kreis um Sigmund Freud. Zu den Protokollen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, Frankfurt/M. 1992, Fischer Taschenbuch


Das vorliegende Buch ist vor allem für den an der Geschichte der Psychoanalytischen Bewegung Interessierten eine verdienstvolle Ergängzung zu den vier Bänden der "Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung". Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten kommt ein im Rank-Archiv gefundenes, bislang verloren geglaubtes Protokoll zu einem Vortrag Freuds "Zur Genese des Fetischismus" zum Abdruck. Diesen hielt Freud am 24. Februar 1909 in der Wiener Vereinigung. Ferner finden sich Übersichtsaufsätze zu den "Protokollen" und zu den Rundbriefen des "Geheimen Komitees".

Den größeren, zweiten Teil, nehmen Biographien zu den Teilnehmern an den Sitzungen der Wiener Vereinigung ein. Dabei ist die Auswahl durchaus willkürlich, orientierte sich aber an zwei Kriterien: Zum einen wurden die nicht aufgenommen, die durch eine Reihe von Publikationen bekannt geworden sind, zum anderen auch die nicht, zu denen nur spärliches biographisches Material vorliegt.

Den Abschluß bilden Nachträge und Errata, in denen Druckfehler aus den vier Bänden der "Protokolle" berichtigt werden und einige biographische Angaben zu den Teilnehmern nachgereicht werden.

Interessant ist besonders ein Aufsatz vom Mitherausgeber Wittenberger, in dem dieser nachweist, daß Anna Freud nicht schon im Jahre 1919 oder 1920 mit Eitingon zusammen den Sigelring erhielt, durch den die Mitglieder des engeren Kreises ausgezeichnet wurden. Richtig an der von Jones eingeführten und vom Biographen Anna Freuds (U. Peters) übernommenen Darstellung ist nur, daß Anna Freuds Eintritt ins Komitee nach dem Ausscheiden Otto Ranks 1924 erfolgte. Mit dem Ausscheiden Ranks wurde das Komitee aufgelöst und gewann erst später wieder Bedeutung für die "Bewegung". Am 12. Dezember 1928 schreibt daher Anna Freud an Eitingon, mit dem sie in ständigem Briefwechsel stand und dem sie persönlich verbunden war: "... Jetzt habe ich auch einen Ring bekommen und trage ihn immer..."

Leider sind in den Texten auch einige Ungenauigkeiten enthalten. So hat z.B. Otto Rank den Freud-Kreis endgültig erst 1926 verlassen, nicht, wie Wittenberger schreibt, 1925. Ferner wird in dem Beitrag von Patrizia Giampieri Deutsch, in dem sie "Alfred Winterstein und die Rolle der Philosophie in den Diskussionen der Mittwoch Gesellschaft" beleuchtet, von einer "Studie" Ranks zur Bedeutung von Schopenhauers Philosophie gesprochen. Rank hat nie einen solchen Aufsatz verfaßt. Bei dem vermeintlichen Beitrag handelt es sich um ein längeres Zitat aus Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung", wo dieser sich zum Thema des Wahnsinn äußert.

Neben solchen kleinen Unsauberkeiten ein interessantes Buch, zumal man einiges über die nicht so bekannten Diskussionsteilnehmer des Freud-Kreises und deren Arbeiten erfährt.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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