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Farrell, Warren: Warum Männer so sind, wie sie sind, Ernst Kabel Verlag, Hamburg 1989, 360 Seiten

Farrell hat in Amerika mehr als 600 Männer- und Frauengruppen durchgeführt. Er gilt als erfolgreicher Therapeut, lebt heute in San Diego und lehrt an der University of California.
Zunächst hat der Leser den Eindruck, ihm wird eine Art Rechtfertigung vorgelegt, warum eben "die Männer so sind, wie sie sind". Das gipfelt in der Auflistung einiger Klischees, wonach etwa die Frauen sowieso nur einen Mann suchen, der sie versorgt, ihnen die Geborgenheit eines Hauses schenkt, sie und die Kinder ernährt. Die Männer kommen nicht viel besser weg. Sie suchen nur die Abreaktion ihrer Sexualität. Da die Frau nun mal nichts anderes zu geben hat als ihre "Unschuld", muß sie die eben so gut wie möglich verkaufen. Prostitution in der Ehe, wie vor hundert Jahren? Tatsächlich meint der Autor, es habe sich im Verhältnis der Geschlechter nichts grundlegend geändert. Nur die Oberfläche ist etwas gefälliger geworden. Zwar haben die Frauen den Mann zum Feind Nr. 1 erklärt, erwarten im grunde aber immer noch, daß er ihre Wünsche erfüllt. Nun, da die Frauen die Unterdrückung satt haben, soll er sich gefälligst ändern. Der Mann wieder als Macher.

Farrell warnt geradezu davor, daß sich die Männer bloß an die Bedürfnisse der Frauen anpassen. Was eine solche Anpassung bedeutet, wissen wir ja seit zweitausend Jahren Patriarchat. Es ist auch müßig zu fragen, wo alles angefangen hat, wer die Schuld trägt. Wichtiger ist die Suche nach neuen Wegen, die beide Geschlechter gehen können. So kann es nicht darum gehen, die Männer zu "Frauen ehrenhalber" zu ernennen, auch ist ja nicht alles von Nachteil, was der Mann an Fähigkeiten in seiner Sozialisation erworben hat. Nur leben beide Geschlechter Einseitigkeiten, die es zu überwinden gilt. Dann kann eben nicht der "Feminismus der neue Humanismus" sein (W. Wieck, "Männer lassen lieben"), sondern es kann nur darum gehen, daß sich der Mensch überhaupt in Richtung auf mehr Humanität entwickelt.
Ob allerdings die Vorschläge Farrells wirklich dazu beitragen können, ist mehr als fraglich. Irgendwie scheint er sich in amerikanischer Manier die Veränderung des Menschen zu leicht vorzustellen. Zentral bleibt aber, daß er die unheilvolle Verschränkung der Geschlechter ebenso sieht, wie die Ohnmacht, die sich als Macht kaschiert, der beide ausgesetzt sind. Sie sind "halb Opfer, halb Täter, wie wir alle" (Sartre). Unglücklich dabei ist, daß der Autor auf merkwürdige Weise mit der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft konform geht, die doch schließlich ein gut Teil zum Dilemma beiträgt. Und doch lohnt sich die Lektüre, weil Farrell dafür wirbt, die Männer als Freunde zu gewinnen:

„Es wird leichter, die Männer wieder zu Freunden zu machen, wenn wir uns erinnern, daß unsere Partnerwahl eine der klarsten Aussagen darüber vermittelt, welche Wertvorstellungen wir wählen.“

Dipl.-Psych. B.Kuck

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