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Barley, Nigel: Traumatische Tropen. Notizen aus meiner Lehmhütte, Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1990, 249 Seiten


Jeden Psychologen interessieren ethnologische Berichte, denn sie geben u. a. Aufschluß über die Bedeutung der Kultur für das Werden des Menschen. Die Kultur ist ihm ja eigentlich "Natur" geworden. So ist es immer wieder spannend von anderen Kulturen zu hören, wie sie ganz selbstverständlich in ihren "Wahrheiten" verfangen sind. Dort können wir es noch sehen. In der eigenen Kultur ist uns der Blick nicht selten ebenso verstellt. Wir erwarten auf die uns ganz selbstverständliche Frage "Warum?" eine ausführliche Antwort mit "wirklichen" Begründungen. Die Dowayos in Kamerun sehen das genauso. Fragt sie Barley etwa hinsichtlich einer mythischen Handlung, warum sie das tun, antworten sie: "Weil es gut ist." Ein weiteres "Warum?" wird ebenso überzeugt beantwortet: "Weil unsere Väter es uns gesagt haben." Es braucht nur noch eine weitere Nachfrage, um den Kreis zu schließen: "Warum taten es eure Väter?" "Weil es gut ist."

Aber wir erfahren nicht nur etwas über die Traditionsgebundenheit des Denkens der Dowayos, sondern auch einiges über den Zusammenhang zwischen Wissen und Macht der Zauberer. Auch darüber, daß die Kultur der Dowayos durchaus paternalistisch ist, wiewohl die größte Angst der Männer darin besteht, daß die Frau zu ihrer Familie zurückgeht, wenn der Mann sie "schlecht" behandelt (wovon sie durchaus eigene Vorstellungen haben), denn er verliert dadurch den aufgewendeten Brautpreis.

Wir erfahren noch einiges Interessante über die Dowayos. Was das Buch aber besonders lesenswert macht ist die Aufrichtigkeit des Autors und sein Humor. Er spricht von seiner angestaubten Fachdisziplin, von den immensen Schwierigkeiten, überhaupt zur "Feldforschung" zu gelangen, deren Hauptforschungsgegenstand zunächst die Arbeitsweise der Bürokratie in Afrika ausmacht. Wir erfahren etwas über die Wichtigkeit des einheimischen Assistenten, ohne den der Forscher aufgeschmissen ist. Wir erfahren auch, daß Feldforschung sehr viel mit Krankheit und Ungemach zu tun hat und das die Naturvölker nicht so naturverbunden und ehrfürchtig mit der Natur umgehen, wie wir Überzivilisierten es gerne hätten. Das ganze Buch ist dabei immer humorvoll und gleichzeitig informativ. Damit dient Barley der "fröhlichen Wissenschaft", wie sie Nietzsche gefordert hat.

Dipl.-Psych. B.Kuck

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Barley Traumatische Tropen

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